| Frau Grete hatt ein braves Huhn, |
| Das wusste seine Pflicht zu thun. |
| Es kratzte hinten, pickte vorn, |
| Fand hier ein Würmchen, da ein Korn, |
| Erhaschte Käfer, schnappte Fliegen |
| Und eilte dann mit viel Vergnügen |
| Zum stillen Nest, um hier geduldig |
| Das zu entrichten, was es schuldig. |
| Fast täglich tönte sein Geschrei: |
| Victoria, ein Ei, ein Ei! |
| Frau Grete denkt: Oh, welch ein Segen, |
| Doch könnt es wohl noch besser legen. |
| Drum reicht sie ihm, es zu verlocken, |
| Oft extra noch die schönsten Brocken. |
| Dem Hühnchen war das angenehm. |
| Es putzt sich, macht es sich bequem, |
| Wird wohlbeleibt, ist nicht mehr rührig |
| Und sein Geschäft erscheint ihm schwierig. |
| Kaum daß ihm noch mit Drang und Zwang |
| Mal hie und da ein Ei gelang. |
| Dies hat Frau Greten schwer bedrückt, |
| Besonders, wenn sie weiter blickt; |
| Denn wo kein Ei, da ist's vorbei |
| Mit Rührei und mit Kandisei. |
| Ein fettes Huhn legt wenig Eier. |
| Ganz ähnlich geht's dem Dichter Meier, |
| Der auch nicht viel mehr dichten kann, |
| Seit er das große Loos gewann. |
| Wer einsam ist, der hat es gut, |
| Weil Keiner da, der ihm was thut. |
| Ihn stört in seinem Lustrevier |
| Kein Thier, kein Mensch und kein Klavier, |
| Und Niemand giebt ihm weise Lehren, |
| Die gut gemeint und bös zu hören. |
| Der Welt entronnen, geht er still |
| In Filzpantoffeln, wann er will. |
| Sogar im Schlafrock wandelt er |
| Bequem den ganzen Tag umher. |
| Er kennt kein weibliches Verbot, |
| Drum raucht und dampft er wie ein Schlot. |
| Geschützt vor fremden Späherblicken, |
| Kann er sich selbst die Hose flicken. |
| Liebt er Musik, so darf er flöten, |
| Um angenehm die Zeit zu tödten, |
| Und laut und kräftig darf er prusten, |
| Und ohne Rücksicht darf er husten, |
| Und allgemach vergisst man seiner. |
| Nur allerhöchstens fragt mal Einer: |
| Was, lebt er noch? Ei schwerenoth, |
| Ich dachte längst, er wäre todt. |
| Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen, |
| Läßt sich das Glück nicht schöner malen. |
| Worauf denn auch der Satz beruht: |
| Wer einsam ist, der hat es gut. |
| Man sagt, ein Schnäpschen, insofern |
| Es kräftig ist, hat jeder gern. |
| Ganz anders denkt das Volk der Bienen, |
| Der Süffel ist verhasst bei ihnen, |
| Sein Wohlgeruch thut ihnen weh. |
| Sie trinken nichts wie Blüthenthee, |
| Und wenn wer kommt, der Schnäpse trank, |
| Gleich ziehen sie den Stachel blank. |
| Letzthin hat einem Bienenstöckel |
| Der brave alte Schneider Böckel, |
| Der nicht mehr nüchtern in der That, |
| Aus Neubegierde sich genaht. |
| Sofort von einem regen Leben |
| Sieht Meister Böckel sich umgeben. |
| Es dringen giftgetränkte Pfeile |
| In seine nackten Körpertheile, |
| Ja manche selbst durch die nur lose |
| Und leichtgewirkte Sommerhose, |
| Besonders, weil sie stramm gespannt. |
| Zum Glück ist Böckel kriegsgewandt. |
| Er zieht sich kämpfend wie ein Held |
| Zurück in's hohe Erbsenfeld. |
| Hier hat er Zeit, an vielen Stellen |
| Des Leibes merklich anzuschwellen, |
| Und als er wiederum erscheint, |
| Erkennt ihn kaum sein bester Freund. |
| Natürlich, denn bei solchem Streit |
| Verliert man seine Ähnlichkeit. |
| Es grünte allenthalben. |
| Der Frühling wurde wach. |
| Bald flogen auch die Schwalben |
| Hell zwitschernd um das Dach. |
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| Sie sangen unermüdlich |
| Und bauten außerdem |
| Am Giebel rund und niedlich |
| Ihr Nest aus feuchtem Lehm. |
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| Und als sie eine Woche |
| Sich redlich abgequält, |
| Hat nur am Eingangsloche |
| Ein Stückchen noch gefehlt. |
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| Da nahm der Spatz, der Schlingel, |
| Die Wohnung in Besitz. |
| Jetzt hängt ein Strohgeklüngel |
| Hervor aus ihrem Schlitz. |
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| Nicht schön ist dies Gebahren |
| Und wenig ehrenwerth |
| Von Einem, der seit Jahren |
| Mit Menschen viel verkehrt. |
| Tugend will, man soll sie holen, |
| Ungern ist sie gegenwärtig; |
| Laster ist auch unbefohlen |
| Dienstbereit und fix und fertig. |
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| Gute Thiere, spricht der Weise, |
| Mußt du züchten, mußt du kaufen, |
| Doch die Ratten und die Mäuse |
| Kommen ganz von selbst gelaufen. |