| Um acht, als seine werthe Sippe |
| Noch in den Federn schlummernd lag, |
| Begrüßt er von der Felsenklippe |
| Bereits den neuen Frühlingstag. |
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| Und wie die angenehme Sonne |
| Liebreich zu ihm hernieder schaut, |
| Da ist in süßer Rieselwonne |
| Sein ganzes Wesen aufgethaut. |
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| Es schmilzt die schwere Außenhülle. |
| Ihm wird so wohl, ihm wird so leicht. |
| Er schwebt im Geist als freier Wille |
| Hinaus, so weit das Auge reicht. |
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| Fort überthal, zu fernen Hügeln, |
| Den Strom entlang, bis an das Meer, |
| Windeilig, wie auf Möwenflügeln, |
| Zieht er in hoher Luft einher. |
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| Hier traf er eine Wetterwolke. |
| Die wählt er sich zum Herrschersitz. |
| Erhaben über allem Volke |
| Thront er in Regen, Sturm und Blitz. |
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| Oweh, der Zauber ist zuende. |
| Durchweicht vom Hut bis in die Schuh, |
| Der Buckel steif und lahm die Lende, |
| So schleicht er still der Heimat zu. |
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| Zum Trost für seine kalten Glieder |
| Empfängt ihn gleich ein warmer Gruß. |
| Na, hieß es, jetzt bekommst du wieder |
| Dein Reißen in den Hinterfuß. |
| Es war ein Mägdlein froh und keck, |
| Stets lacht ihr Rosenmund, |
| Ihr schien die Liebe Lebenszweck |
| Und alles andre Schund. |
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| Sie denkt an nichts, als an Pläsir, |
| Seitdem die Mutter todt, |
| Sie lacht und liebt, obgleich es ihr |
| Der Vater oft verbot. |
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| Einst hat sie frech und unbedacht |
| Den Schatz, der ihr gefällt, |
| Sich für die Zeit um Mitternacht |
| Zum Kirchhof hinbestellt. |
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| Und als sie kam zum Stelldichein, |
| O hört, was sich begab. |
| Da stand ein Geist im Mondenschein |
| Auf ihrer Mutter Grab. |
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| Er steht so starr, er steht so stumm, |
| Er blickt so kummervoll. |
| Das Mägdlein dreht sich schaudernd um |
| Und rennt nach Haus wie toll. |
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| Es wird, wer einen Geist gesehn, |
| Nie mehr des Lebens froh, |
| Er fühlt, es ist um ihn geschehn. |
| Dem Mägdlein ging es so. |
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| Sie welkt dahin, sie will und mag |
| Nicht mehr zu Spiel und Tanz. |
| Man flocht ihr um Johannistag |
| Bereits den Todtenkranz. |
| Das Pfäfflein saß beim Frühstückschmaus. |
| Er schaut und zieht die Stirne kraus. |
| Wer, fragt er, hat die Wurst gebracht? |
| Die Köchin sprach: Es war die Liese, |
| Die Alte von der Gänsewiese. |
| Drum, rief er, sah ich in letzter Nacht, |
| Wie durch die Luft in feurigem Bogen |
| Der Böse in ihren Schlot geflogen. |
| Verdammte Hex, |
| Ich riech, ich schmeck's, |
| Der Teufel hat die Wurst gemacht. |
| Spitz, da geh her! — Der Hund, nicht faul, |
| Verzehrt die Wurst und leckt das Maul. |
| Er nimmt das Gute, ohne zu fragen, |
| Ob's Beelzebub unter dem Schwanz getragen. |
| Es fand der geizige Bauer Kniep |
| Im Grabe keine Ruhe. |
| Die Sehnsucht nach dem Gelde trieb |
| Ihn wieder zu seiner Truhe. |
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| Die Erben wollten diesen Gast |
| Im Haus durchaus nicht haben, |
| Weil ihnen der Verkehr verhasst |
| Mit Einem, der schon begraben. |
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| Sie dachten, vor Drudenfuß und Kreuz |
| Ergebenst verschwinden sollt er. |
| Er aber vollführte seinerseits |
| Nur um so mehr Gepolter. |
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| Zum Glück kam gerade zugereist |
| Ein Meister, der vieles erkundet. |
| Der hat gar schlau den bösen Geist |
| In einem Fass verspundet. |
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| Man fuhr es bequem, als wär es leer, |
| Bis an ein fließend Gewässer. |
| Da plötzlich machte sich Kniep so schwer, |
| Wie zehn gefüllte Fässer. |
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| Gottlieb, der Kutscher, wundert sich. |
| Nach rückwärts blickt er schnelle. |
| Wumm, knallt der Spund. Der Geist entwich |
| Und spukt an der alten Stelle. |
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| Wie sonst, besucht er jede Nacht |
| Die eisenbeschlagene Kiste |
| Und rumpelt, hustet, niest und lacht, |
| Als ob er von nichts was wüsste. |
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| Kein Mittel erwies sich als probat. |
| Der Geist ward nur erboster. |
| Man trug, es blieb kein andrer Rath, |
| Den Kasten zum nächsten Kloster. |
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| Der Pförtner sprach: Willkommen im Stift |
| Und herzlich guten Morgen! |
| Was Geld und böse Geister betrifft, |
| Das wollen wir schon besorgen. |
| Ich bin ein armer Schreiber nur, |
| Hab weder Haus noch Acker, |
| Doch freut mich jede Kreatur, |
| Sogar der Spatz, der Racker. |
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| Er baut von Federn, Haar und Stroh |
| Sein Nest geschwind und flüchtig, |
| Er denkt, die Sache geht schon so, |
| Die Schönheit ist nicht wichtig. |
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| Wenn man den Hühnern Futter streut, |
| Gleich mengt er sich dazwischen, |
| Um schlau und voller Rührigkeit |
| Sein Körnlein zu erwischen. |
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| Maikäfer liebt er ungemein, |
| Er weiß sie zu behandeln; |
| Er hackt die Flügel, zwackt das Bein |
| Und knackt sie auf wie Mandeln. |
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| Im Kirschenbaum frisst er verschmitzt |
| Das Fleisch der Beeren gerne; |
| Dann hat, wer diesen Baum besitzt, |
| Nachher die schönsten Kerne. |
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| Es fallt ein Schuß. Der Spatz entfleucht |
| Und ordnet sein Gefieder. |
| Für heute bleibt er weg vielleicht, |
| Doch morgen kommt er wieder. |
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| Und ist es Winterzeit und hat's |
| Geschneit auf alle Dächer, |
| Verhungern thut kein rechter Spatz, |
| Er kennt im Dach die Löcher. |
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| Ich rief: Spatz komm, ich füttre dich! |
| Er fasst mich scharf in's Auge. |
| Er scheint zu glauben, daß auch ich |
| Im Grunde nicht viel tauge. |