| Rötlich dämmert es im Westen |
| Und der laute Tag verklingt, |
| Nur daß auf den höchsten Ästen |
| Lieblich noch die Drossel singt. |
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| Jetzt in dichtbelaubten Hecken, |
| Wo es still verborgen blieb, |
| Rüstet sich das Volk der Schnecken |
| Für den nächtlichen Betrieb. |
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| Tastend streckt sich ihr Gehörne. |
| Schwach nur ist das Augenlicht. |
| Dennoch schon aus weiter Ferne |
| Wittern sie ihr Leibgericht. |
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| Schleimig, säumig, aber stete, |
| Immer auf dem nächsten Pfad, |
| Finden sie die Gartenbeete |
| Mit dem schönsten Kopfsalat. |
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| Hier vereint zu ernsten Dingen, |
| Bis zum Morgensonnenschein, |
| Nagen sie geheim und dringen |
| Tief ins grüne Herz hinein. |
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| Darum braucht die Köchin Jettchen |
| Dieses Kraut nie ohne Arg. |
| Sorgsam prüft sie jedes Blättchen, |
| Ob sich nichts darin verbarg. |
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| Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken |
| Ihres lieben gnädgen Herrn. |
| Kopfsalat, vermischt mit Schnecken, |
| Mag der alte Kerl nicht gern. |
| Auguste, wie fast jede Nichte, |
| Weiß wenig von Naturgeschichte. |
| Zu bilden sie in diesem Fache, |
| Ist für den Onkel Ehrensache. |
| Auguste, sprach er, glaub es mir, |
| Die Meise ist ein nettes Thier. |
| Gar zierlich ist ihr Leibesbau, |
| Auch ist sie schwarz weiß gelb und blau. |
| Hell flötet sie und klettert munter |
| Am Strauch kopfüber und kopfunter. |
| Das härtste Korn verschmäht sie nicht, |
| Sie hämmert, bis die Schale bricht. |
| Mohnköpfen bohrt sie mit Verstand |
| Ein Löchlein in den Unterrand, |
| Weil dann die Sämerei gelind |
| Von selbst in ihren Schnabel rinnt. |
| Nicht immer liebt man Fastenspeisen, |
| Der Grundsatz gilt auch für die Meisen. |
| Sie gucken scharf in alle Ritzen, |
| Wo fette Käferlarven sitzen, |
| Und fangen sonst noch Myriaden |
| Insekten, die dem Menschen schaden, |
| Und hieran siehst du außerdem, |
| Wie weise das Natursystem. — |
| So zeigt er, wie die Sache lag. |
| Es war kurz vor Martinitag. |
| Wer dann vernünftig ist und kann's |
| Sich leisten, kauft sich eine Gans. |
| Auch an des Onkels Außengiebel |
| Hing eine solche, die nicht übel, |
| Um, nackt im Freien aufgehangen, |
| Die rechte Reife zu erlangen. |
| Auf diesen Braten freute sich |
| Der Onkel sehr und namentlich |
| Vor allem auf die braune Haut, |
| Obgleich er sie nur schwer verdaut. |
| Martini kam, doch kein Arom |
| Von Braten spürt der gute Ohm. |
| Statt dessen trat voll Ungestüm |
| Die Nichte ein und zeigte ihm |
| Die Gans, die kaum noch Gans zu nennen, |
| Ein Scheusal, nicht zum Wiederkennen, |
| Zernagt beinah bis auf die Knochen. |
| Kein Zweifel war, wer dies verbrochen, |
| Denn deutlich lehrt der Augenschein, |
| Es konnten nur die Meisen sein. |
| Also ade! du braune Kruste. |
| Ja, lieber Onkel, sprach Auguste, |
| Die gern, nach weiblicher Manier, |
| Bei einem Irrthum ihn ertappt: |
| Die Meise ist ein nettes Thier. |
| Da hast du wieder recht gehabt. |