| Er saß beim Frühstück äußerst grämlich, |
| Da sprach ein Krümchen Brot vernehmlich: |
| Aha, so ist es mit dem Orden |
| Für diesmal wieder nichts geworden. |
| Ja Freund, wer seinen Blick erweitert |
| Und schaut nach hinten und nach vorn, |
| Der preist den Kummer, denn er läutert. |
| Ich selber war ein Weizenkorn. |
| Mit vielen, die mir anverwandt, |
| Lag ich im rauhen Ackerland. |
| Bedrückt von einem Erdenkloß, |
| Macht ich mich muthig strebend los. |
| Gleich kam ein alter Has gehupft |
| Und hat mich an der Nas gezupft, |
| Und als es Winter ward, verfror, |
| Was peinlich ist, mein linkes Ohr, |
| Und als ich reif mit meiner Sippe, |
| O weh, da hat mit seiner Hippe |
| Der Hans uns rutschweg abgesäbelt, |
| Und zum Ersticken festgeknebelt |
| Und auf die Tenne fortgeschafft, |
| Wo ihrer vier mit voller Kraft |
| In regelrechtem Flegeltakte |
| Uns klopften, daß die Schwarte knackte. |
| Ein Esel trug uns nach der Mühle. |
| Ich sage dir, das sind Gefühle, |
| Wenn man, zerrieben und gedrillt |
| Zum allerfeinsten Staubgebild, |
| Sich kaum besinnt und fast vergisst, |
| Ob Sonntag oder Montag ist. |
| Und schließlich schob der Bäckermeister, |
| Nachdem wir erst als zäher Kleister |
| In seinem Troge baß gehudelt, |
| Vermengt, geknetet und vernudelt, |
| Uns in des Ofens höchste Gluth. |
| Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut? |
| Frischauf, du hast genug, mein Lieber, |
| Greif zu und schneide nicht zu knapp |
| Und streiche tüchtig Butter drüber |
| Und gieb den Andern auch was ab. |
| Man ist ja von Natur kein Engel, |
| Vielmehr ein Welt- und Menschenkind, |
| Und rings umher ist ein Gedrängel |
| Von Solchen, die dasselbe sind. |
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| In diesem Reich geborner Flegel, |
| Wer könnte sich des Lebens freun, |
| Würd es versäumt, schon früh die Regel |
| Der Rücksicht kräftig einzubläun. |
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| Es saust der Stock, es schwirrt die Ruthe. |
| Du darfst nicht zeigen, was du bist. |
| Wie schad, o Mensch, daß dir das Gute |
| Im Grunde so zuwider ist. |
| Der Stoffel wankte frohbewegt |
| Spät in der Nacht nach Haus. |
| Da ging, wie das zu kommen pflegt, |
| Ihm seine Pfeife aus. |
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| Wer raucht, der raucht nicht gerne kalt. |
| Wie freut sich Stoffel da, |
| Als er ganz dicht vor sich im Wald |
| Ein Kohlenfeuer sah. |
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| Die Kohlen glühn in einem Topf. |
| Der frohe Stoffel drückt |
| Gleich eine in den Pfeifenkopf |
| Und zieht als wie verrückt. |
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| Wohl sieht er, wie die Kohle glüht, |
| Nur daß sie gar nicht brennt. |
| Da überläuft es sein Gemüth, |
| Er flucht Potzzapperment. |
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| Das Wort war hier nicht recht am Platz. |
| Es folgt ein Donnerschlag. |
| Versunken ist der Zauberschatz |
| Bis an den jüngsten Tag. |
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| Die Pfeife fällt vor Schreck und Graus |
| Auf einen harten Stein. |
| Ein Golddukaten rollt heraus |
| Blitzblank im Mondenschein. |
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| Von nun an, denkt der Stoffel schlau, |
| Schweig ich am rechten Ort. |
| Er kehrte heim zu seiner Frau |
| Und sprach kein einzig Wort. |
| Wie dunkel ist der Lebenspfad, |
| Den wir zu wandeln pflegen. |
| Wie gut ist da ein Apparat |
| Zum Denken und Erwägen. |
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| Der Menschenkopf ist voller List |
| Und voll der schönsten Kniffe; |
| Er weiß, wo was zu kriegen ist |
| Und lehrt die rechten Griffe. |
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| Und weil er sich so nützlich macht, |
| Behält ihn jeder gerne. |
| Wer stehlen will, und zwar bei Nacht, |
| Braucht eine Diebslaterne. |
| Unter all den hübschen Dingen |
| In der warmen Sommerzeit |
| Ist ein Corps von Schmetterlingen |
| Recht ergötzlich insoweit. |
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| Bist du dann zu deinem Wohle |
| In den Garten hinspaziert, |
| Siehst du über deinem Kohle |
| Muntre Tänze aufgeführt. |
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| Weiß gekleidet und behende |
| Flattert die vergnügte Schar, |
| Bis daß Lieb und Lust zu Ende |
| Wieder mal für dieses Jahr. |
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| Zum getreuen Angedenken, |
| Auf den Blättern kreuz und quer, |
| Lassen sie zurück und schenken |
| Dir ein schönes Raupenheer. |
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| Leidest du, daß diese Sippe |
| Weiter frisst, wie sie begehrt, |
| Kriegst du, nebst dem Blattgerippe, |
| Nur noch Proben ohne Werth. |
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| Also ist es zu empfehlen, |
| Lieber Freund, daß du dich bückst |
| Und sehr viele Raupenseelen, |
| Pitsch, aus ihren Häuten drückst. |
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| Denn nur der ist wirklich weise, |
| Der auch in die Zukunft schaut. |
| Denk an deine Lieblingsspeise: |
| Schweinekopf mit Sauerkraut. |