| Fing man vorzeiten einen Dieb, |
| Hing man ihn auf mit Schnellbetrieb, |
| Und meinte man, er sei verschieden, |
| Ging man nachhaus und war zufrieden. |
| Ein Wandrer von der weichen Sorte |
| Kam einst zu solchem Galgenorte |
| Und sah, daß oben Einer hängt, |
| Dem kürzlich man den Hals verlängt. |
| Sogleich, als er ihn baumeln sieht, |
| Zerfließt in Thränen sein Gemüth. |
| Ich will den armen Schelm begraben, |
| Denkt er, sonst fressen ihn die Raben. |
| Nicht ohne Müh, doch mit Geschick, |
| Klimmt er hinauf und löst den Strick; |
| Und Jener, der im Wind geschwebt, |
| Liegt unten, scheinbar unbelebt. |
| Siehda, nach Änderung der Lage |
| Tritt neu die Lebenskraft zutage, |
| So daß der gute Delinquent |
| Die Welt ganz deutlich wiederkennt. |
| Zärtlich, als wär's der eigne Vetter, |
| Umarmt er seinen Lebensretter, |
| Nicht ein Mal, sondern noch ein Mal, |
| Vor Freude nach so großer Qual. |
| Mein lieber Mitmensch, sprach der Wandrer, |
| Geh in dich, sei hinfür ein Andrer. |
| Zum Anfang für dein neues Leben |
| Werd ich dir jetzt zwei Gulden geben. |
| Das Geben that ihm immer wohl. |
| Rasch griff er in sein Kamisol, |
| Wo er zur langen Pilgerfahrt |
| Den vollen Säckel aufbewahrt. |
| Er sucht und sucht und fand ihn nicht, |
| Und länger wurde sein Gesicht. |
| Er sucht und suchte, wie ein Narr, |
| Weit wird der Mund, das Auge starr, |
| Bald ist ihm heiß, bald ist ihm kalt. |
| Der Dieb verschwand im Tannenwald. |
| Ein Fuchs voll flüchtiger Moral |
| Und unbedenklich, wenn er stahl, |
| Schlich sich beinacht zum Hühnerstalle |
| Von einem namens Jochen Dralle, |
| Der, weil die Mühe ihn verdross, |
| Die Thür mal wieder nicht verschloss. |
| Er hat sich, wie er immer pflegt, |
| So wie er war zubett gelegt. |
| Er schlief und schnarchte auch bereits. |
| Frau Dralle, welche ihrerseits |
| Noch wachte, denn sie hat die Grippe, |
| Stieß Jochen an die kurze Rippe. |
| Du, rief sie flüsternd, hör doch bloß, |
| Im Hühnerstall da ist was los; |
| Das ist der Fuchs der alte Racker. |
| Und schon ergriff sie kühn und wacker |
| Obgleich sie nur im Nachtgewand, |
| Den Besen, der am Ofen stand, |
| Indeß der Jochen leise flucht |
| Und erst mal Licht zu machen sucht. |
| Sie ging voran, er hinterdrein. |
| Es pfeift der Wind, die Hühner schrein. |
| Nur zu, mahnt Jochen, sei nur dreist |
| Und sag Bescheid, wenn er dich beißt. |
| Umsonst sucht sich der Dieb zu drücken |
| Vor Madam Dralles Geierblicken. |
| Sie schlägt ihm unaussprechlich schnelle |
| Zwei drei mal an derselben Stelle |
| Mit ihres Besens hartem Stiel |
| Auf's Nasenbein. Das war zuviel. — |
| Ein Jeder kriegt, ein Jeder nimmt |
| In dieser Welt, was ihm bestimmt. |
| Der Fuchs, nachdem der Balg herab, |
| Bekommt ein Armesündergrab. |
| Frau Dralle, weil sie leichtgesinnt |
| Sich ausgesetzt dem Winterwind |
| Zum Trotz der Selbsterhaltungspflicht, |
| Kriegt zu der Grippe noch die Gicht. |
| Doch Jochen kriegte hocherfreut |
| Infolge der Gelegenheit |
| Von Pelzwerk eine warme Kappe |
| Mit Vorder- und mit Hinterklappe. |
| Stets hieß es dann, wenn er sie trug: |
| Der ist es, der den Fuchs erschlug. |
| Dich freut die warme Sonne. |
| Du lebst im Monat Mai. |
| In deiner Regentonne |
| Da rührt sich allerlei. |
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| Viel kleine Thierlein steigen |
| Bald auf- bald niederwärts, |
| Und, was besonders eigen, |
| Sie atmen mit dem Sterz. |
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| Noch sind sie ohne Tücken, |
| Rein kindlich ist ihr Sinn. |
| Bald aber sind sie Mücken |
| Und fliegen frei dahin. |
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| Sie fliegen auf und nieder |
| Im Abendsonnenglanz |
| Und singen feine Lieder |
| Bei ihrem Hochzeitstanz. |
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| Du gehst zu Bett um zehne, |
| Du hast zu schlafen vor, |
| Dann hörst du jene Töne |
| Ganz dicht an deinem Ohr. |
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| Drückst du auch in die Kissen |
| Dein werthes Angesicht, |
| Dich wird zu finden wissen |
| Der Rüssel, welcher sticht. |
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| Merkst du, daß er dich impfe, |
| So reib mit Salmiak |
| Und dreh dich um und schimpfe |
| Auf dieses Mückenpack. |