| Es geht ja leider nur soso |
| Hier auf der Welt, sprach Salomo. |
| Dies war verzeihlich. Das Geschnatter |
| Von tausend Frauen, denn die hatt er, |
| Macht auch den Besten ungerecht. |
| Uns aber geht es nicht so schlecht. |
| Wer, wie es Brauch in unsern Tagen, |
| Nur Eine hat, der soll nicht sagen |
| Und klagen, was doch mancher thut: |
| Ich bin für diese Welt zu gut. |
| Selbst, wem es fehlt an dieser Einen, |
| Der braucht darob nicht gleich zu weinen |
| Und sich kopfüber zu ertränken. |
| Er hat, das mag er wohl bedenken, |
| Am Weltgebäude mitgezimmert |
| Und allerlei daran verschlimmert. |
| Und wenn er so in sich gegangen, |
| Gewissenhaft und unbefangen, |
| Dann kusch er sich und denke froh: |
| Gottlob, ich bin kein Salomo; |
| Die Welt, obgleich sie wunderlich, |
| Ist mehr als gut genug für mich. |
| Wer Bildung hat, der ist empört, |
| Wenn er so schrecklich fluchen hört. |
| Dies »Nasowolltich«, dies »Parblö«, |
| Dies ewige »Ojemineh«, |
| Dies »Eipotztausendnocheinmal«, |
| Ist das nicht eine Ohrenqual? |
| Und gar »Daßdichdasmäusleinbeiß«, |
| Da wird mir's immer kalt und heiß. |
| Wie oft wohl sag ich: Es ist häßlich, |
| Ist unanständig, roh und gräßlich. |
| Ich bitt und flehe: Lasst es sein, |
| Denn es ist sündlich. Aber nein, |
| Vergebens ring ich meine Hände, |
| Die Flucherei nimmt doch kein Ende. |
| Zwei Knaben, Fritz und Ferdinand, |
| Die gingen immer Hand in Hand, |
| Und selbst in einer Herzensfrage |
| Trat ihre Einigkeit zutage. |
| Sie liebten beide Nachbars Käthchen, |
| Ein blondgelocktes kleines Mädchen. |
| Einst sagte die verschmitzte Dirne: |
| Wer holt mir eine Sommerbirne, |
| Recht saftig, aber nicht zu klein? |
| Hernach soll er der Beste sein. |
| Der Fritz nahm seinen Freund beiseit |
| Und sprach: Das machen wir zu zweit; |
| Da drüben wohnt der alte Schramm, |
| Der hat den schönsten Birnenstamm; |
| Du steigst hinauf und schüttelst sacht, |
| Ich lese auf und gebe acht. |
| Gesagt gethan. Sie sind am Ziel. |
| Schon als die erste Birne fiel, |
| Macht Fritz damit sich aus dem Staube, |
| Denn eben schlich aus dunkler Laube, |
| In fester Faust ein spanisch Rohr, |
| Der aufmerksame Schramm hervor. |
| Auch Ferdinand sah ihn beizeiten |
| Und thät am Stamm herunter gleiten |
| In Ängstlichkeit und großer Hast, |
| Doch eh er unten Fuß gefasst, |
| Begrüßt ihn Schramm bereits mit Streichen, |
| Als wollt er einen Stein erweichen. |
| Der Ferdinand, voll Schmerz und Hitze, |
| Entfloh und suchte seinen Fritze. |
| Wie angewurzelt blieb er stehn. |
| Ach hätt er es doch nie gesehn: |
| Die Käthe hat den Fritz geküsst, |
| Worauf sie eine Birne isst. |
| Seit dies geschah, ist Ferdinand |
| Mit Fritz nicht mehr so gut bekannt. |
| Wem's in der Unterwelt zu still, |
| Wer oberhalb erscheinen will, |
| Der baut sich, je nach seiner Weise, |
| Ein sichtbarliches Wohngehäuse. |
| Er ist ein blinder Architekt, |
| Der selbst nicht weiß, was er bezweckt. |
| Dennoch verfertigt er genau |
| Sich kunstvoll seinen Leibesbau, |
| Und sollte mal was dran passieren, |
| Kann er's verputzen und verschmieren, |
| Und ist er etwa gar ein solch |
| Geschicktes Thierlein, wie der Molch, |
| Dann ist ihm alles einerlei, |
| Und wär's ein Bein, er macht es neu. |
| Nur schad, daß, was so froh begründet, |
| So traurig mit der Zeit verschwindet, |
| Wie schließlich jeder Bau hienieden, |
| Sogar die stolzen Pyramiden. |
| Es ist ein recht beliebter Bau. |
| Wer wollte ihn nicht loben? |
| Drin wohnt ein Mann mit seiner Frau, |
| Sie unten und er oben. |
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| Er, als ein schlaugewiegter Mann, |
| Hält viel auf weise Lehren, |
| Sie, ungestüm und drauf und dran, |
| Thut das, was ihr Begehren. |
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| Sie läßt ihn reden und begeht, |
| Blind, wie sie ist, viel Wüstes, |
| Und bringt sie das in Schwulität, |
| Na, sagt er kühl, da siehst es. |
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| Vereinen sich jedoch die zwei |
| Zu traulichem Verbande, |
| Dann kommt die schönste Lumperei |
| Hübsch regelrecht zustande. |
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| So geht's in diesem Hause her. |
| Man möchte fast erschrecken. |
| Auch ist's beweglich, aber mehr |
| Noch als das Haus der Schnecken. |