Sie setzen mich in Erstaunen, wie meinen Sie denn?"
Haben Sie nicht bemerkt," fuhr er eifrig fort, daß der gebildete Herr Oberforstmeister dort mit Leib und Seele sein ist, weil er ihm fünf Nächte hindurch alles Geld abjagte und den Ausgebeutelten gestern nacht noch fünfzehnhundert Dukaten gewinnen ließ? Er nennt den abgefeimten Spieler einen Mann von den nobelsten Sentiments und schwört auf Ehre, er müsse über die Hälfte wieder an den Fremden verlieren, sonst habe er keine Ruhe. Haben Sie ferner nicht bemerkt, wie er den Ökonomierat gekörnt hat?"
Ich habe wohl gesehen," antwortete ich, daß der Ökonomierat, sonst so moros und misanthropisch, jetzt ein wenig aufgewacht ist; aber ich habe es dem allgemeinen Einfluß der Gesellschaft zugeschrieben."
Behüte. Er läuft schon seit zwanzig Jahren in den Gesellschaften umher und wacht doch nicht auf; auf dem Weg ist er, ein Bruder Liederlich zu werden. Der Esel reist krank im Lande umher, behauptet, einen großen Wurm im Leibe zu haben, und macht allen Leuten das Leben sauer mit seinen exorbitanten Behauptungen, und jetzt? Jetzt hat ihn dieser Wundermann erwischt, gibt ihm ein Pülverlein und rät ihm, nicht wie ein anderer vernünftiger Arzt, Diät und Mäßigkeit, sondern er soll seine Jugend, wie er die fünfzig Jahre des alten Wurms nennt, genießen, viel Wein trinken &c., und das et cetera und den Wein benützt er seit vier Tagen ärger als der verlorene Sohn."
Und darüber können Sie sich ärgern, Herr Professor? Der Mann ist sich und dem Leben wieder geschenkt—"
Nicht davon spreche ich," entgegnete der Eifrige, der alte Sünder könnte meinetwegen heute noch abfahren, sondern daß er sich dem nächsten besten Charlatan anvertraut und sich also ruinieren muß. Ich habe ihn vor acht Jahren in der Kur gehabt, und es besserte sich schon zusehends."
Der Eifer des Professors war mir nun einigermaßen erklärlich, der
Brotneid schaute nicht undeutlich heraus.—
Und unsere Damen," fuhr er fort, die sind nun rein toll. Mich dauert der arme Trübenau, ich kenne ihn zwar nicht, aber übermorgen soll er hier ankommen, und wie findet er die gnädige Frau? Hat man je gehört, daß eine junge gebildete Frau in den ersten Jahren einer glücklichen Ehe sich in ein solches Verhältnis mit einem ganz fremden Menschen einläßt, und zwar innerhalb fünf Tagen!"—
Wie? die schöne bleiche Frau dort!" rief ich aus.—
Die nämliche bleiche," antwortete er, vor vier Tagen war sie noch schön rot wie eine Zentifolie, da begegnet ihr der Interessante auf der Straße, fragt, wohin sie gehe, hört kaum, daß sie Rouge fin kaufen wolle (denn solche Toilettengeheimnisse auszuplaudern, heißt Bonton), so bittet und fleht er, sie solle doch kein Rot auflegen, sie habe ein so interessantes je ne sais quoi, das zu einem blassen Teint viel besser stehe. Was tut Sie? wahrhaftig, sie geht in den nächsten Galanterieladen und sucht weiße Schminke; ich war gerade dort, um ein Pfeifenrohr zu erstehen, da hörte ich sie mit ihrer süßen Stimme den rauhhaarigen Bären von einem Ladendiener fragen, ob man das Weiß nicht noch etwas ä t h e r i s c h e r habe? Hol mich der T——-! hat man je so etwas gehört?"