»Ich möchte dich fragen, Kapitän,« entgegnete der junge Mann, »warum ich hier sitze? Mir hat kein Mensch den Grund angegeben, warum man mich gefangen nehme; du hast die Wache, Reelzingen; bitte dich, du mußt doch wissen –«

»Dieu me garde! Ich?« rief der Kapitän lächelnd. »Meinst du, er habe mich mit seiner besondern Aestimation beehrt und in seine Konfidenz gezogen? Nein, Herr Bruder! Als ich ablöste, sagte mir der Leutnant von gestern: ›Oben sitzt einer, den sie vom Karneval auf ausdrücklichen Befehl hergebracht haben.‹ Er pflegt es gewöhnlich so zu machen.«

»Wer pflegt es so zu machen?« fragte Lanbek erblassend.

»Wer?« erwiderte jener leise flüsternd; »dein Schwager in spe, der Jude.«

»Wie?« fuhr jener errötend fort, »du glaubst, er selbst? Ich hoffte bisher, es sei vielleicht eine Verwechslung vorgefallen! Du hast wohl von dem Auftritte gehört, der, bald nachdem ich euch verlassen hatte, mit dem Juden vorfiel, man rief etwas von Katholischwerden, und da fuhr der Finanzminister auf –«

»Was sagst du?« unterbrach ihn der Kapitän mit ernster Miene, indem er näher zu dem Freund trat und seine Hand faßte. »Das war es also? Uns hat man es anders erzählt; wie ging es zu? Was hat man gerufen?«

Den Aktuarius befremdete der Ernst, den er auf den Zügen des sonst so fröhlichen und sorglosen Freundes las, nicht wenig; er erzählte den Vorfall, wie er ihn mit angesehen hatte, und sah, wie sich die Neugierde des Freundes mehr und mehr steigerte, wie seine Blicke feuriger wurden; als er aber beschrieb, wie Süß nach jenem geheimnisvollen Ausruf wütend geworden, aufgesprungen sei, da fühlte er die Hand des Kapitäns auf sonderbare Weise in der seinigen zucken. »Was bewegt dich so sehr?« fragte Gustav befremdet. »Wie nimmst du nur an solchen Karnevalsscherzen, die am Ende auf irgend eine Torheit hinauslaufen, solchen Anteil? Wenn ich nicht wüßte, daß du evangelisch bist, ich glaubte, mein Bericht habe dich beleidigt.«

»Herr Bruder,« erwiderte der Kapitän, indem er seinen Ernst hinter einem gleichgültigen Lächeln zu verbergen suchte, »du kennst mich ja, mich interessiert alles auf der Welt, und ich bin erstaunlich neugierig; überdies ist manches ernster, als man glaubt, und im Scherz liegt oft Bedeutung.«

»Wie verstehst du das?« sagte der Aktuarius verwundert. »Was macht dich so nachdenklich? Hast du wieder Schulden? Kann ich dir vielleicht mit etwas dienen?«