»Schon gut,« unterbrach ihn der Minister mit einer gnädigen Bewegung der Hand; »können abtreten.«
Der Kapitän Reelzingen verbarg seinen Verdruß über das stolze Wesen des Emporkömmlings unter einer tiefen Verbeugung und trat ab. Dem Aktuarius aber, obgleich er keine Menschenfurcht kannte, pochte das Herz, als er nun mit dem Mann allein war, vor dem ein ganzes Land mit abergläubischer Furcht zitterte. Er errötete unwillkürlich, als jener ihn lange und prüfend ansah und ihm Gelegenheit gab, auch seine Züge zu mustern und hin und wieder etwas zu finden, das ihn an die schöne Lea erinnerte. Der Minister setzte sich endlich in den Armstuhl, den die Offiziere der Garnison zur Bequemlichkeit dieses Zimmers gestiftet hatten, und winkte dem Sarazenen herablassend, sich auf einer Bank, die unfern stand, niederzulassen.
»Junger Mann,« sprach er, »wenn Euch Eure eigene Ruhe und Wohlfahrt lieb ist, so antwortet mir auf das, was ich Euch fragen werde, offen und ehrlich; denn Ihr könnet leichtlich denken, daß es mir nicht schwer werden kann, Euch jeder Lüge, die Ihr wagtet, zu überweisen.«
»Ich bin herzoglich württembergischer Aktuar,« erwiderte der junge Mann, »und der Eid, den ich als Christ und Bürger –«
»Laissez cela,« fiel ihm der Jude ins Wort, »Ihr wäret nicht der erste, der seinen Eid gebrochen. Wer waren gestern, frag' ich, die beiden Masken, die sich an meinem Tisch zur Belustigung des Publikums unterhielten? Ihr wißt es, Ihr standet zunächst bei mir.«
»Das ist mir nicht bekannt, Ew. Exzellenz,« sagte Gustav mit fester Stimme.
»Nicht bekannt?« rief der Minister. »Bedenket wohl, was Ihr gesagt, ich stehe hier als Euer Richter; habt Ihr keinen an der Stimme gekannt?«
»Keinen.«
»Keinen?« fuhr jener heftiger fort. »Und Euren Vater solltet Ihr nicht an der Stimme kennen?«