6.
Vor der Tür des Offizierszimmers hatten seine Diener dem Minister den spanischen Mantel abgenommen, und er trat jetzt ein, stattlich geschmückt und vornehm gekleidet, wie es einem Günstling des Glücks und eines Herzogs in damaliger Zeit zukam. Er trug einen roten Rock mit goldenen Troddeln und Quasten besetzt; die goldgestickten Aufschläge seines Rocks gingen bis zum Ellbogen zurück, und die Weste von Goldbrokat reichte herab bis an das Knie. Ein kurzer, breiter Degen mit reichbesetztem Griff hing an seiner Seite, ein mächtiger Stock unterstützte seine Hand, und auf den reichen, hellbraunen Locken, die bis tief in den Nacken herabfielen, saß ein Hütchen von feinem schwarzen Wachstuch, mit Gold und weißen Federn verbrämt. Die Züge dieses merkwürdigen Mannes waren, in der Nähe betrachtet, zwar etwas zu kühn geschnitten, um schön und anmutig zu heißen, aber sie waren edler als sein Gewerbe und ungewöhnlich; sein dunkelbraunes Auge, das frei und stolz um sich blickte, konnte sogar für schön gelten; die ganze Erscheinung imponierte, und sie hätte sogar etwas Würdiges und Erhabenes gehabt, wäre es nicht ein hämischer, feindlicher Zug um die stolz aufgeworfenen Lippen gewesen, was diesen Eindruck störte und manchen, der ihm begegnete, mit unheimlichem Grauen füllte.
Der Kapitän stand fest und aufgerichtet an der Tür, den Hut in der einen, den Degengriff in der andern Hand, als der Minister Süß eintrat. Dieser nahm sein Hütchen ab, musterte, auf seinen Stock gestützt, den Soldaten mit scharfem Blick und sagte dann kurz und mit leiser Stimme: »Wie ist der Name?«
»Hans von Reelzingen, Kapitän im zweiten Grenadierbataillon, dritte Kompagnie.«
»Man hat studiert?« fuhr der Jude etwas artiger fort.
»Die Jurisprudenz in Leipzig,« antwortete der Kapitän mit militärischer Kürze.
»Wie lange dient der Herr Kapitän?«
»Ein Jahr und zwei Monate; zuerst bei –«