»Reelzingen,« sagte Käthchen mit ihrer süßen Stimme, »Ihr versteht doch gar keinen Scherz; es sind lauter Kupfermünzen, und ich habe dem Vater den Beutel gegeben, Euch in April zu schicken.«
»Ich verstehe,« flüsterte der Kapitän, indem er errötend dem schönen Mädchen die Hand küßte. »Ich will Euch dafür etwas Schönes von Frankfurt mitbringen.«
»Bringet mir,« antwortete sie, indem sie die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte, »nur unsern Gustav wohlbehalten zurück, und,« setzte sie, durch Tränen lächelnd, hinzu, »machet mir keine tollen Streiche, die euch verraten könnten.«
»Die Pferde sind vor dem Seetor,« sprach der Alte zu Reelzingen und seinem Sohn. »Ihr dürft nicht das Tor selbst passieren; denn die erste Runde ist schon vorüber. Begleiten Sie meinen Sohn, Herr von Blankenberg, durch die Gärten und bringen Sie mir Nachricht, wie sie fortgekommen sind.«
Der junge Lanbek umarmte Vater und Geschwister, die Schwestern folgten ihm und seinen Freunden weinend bis unter die Gartentüre, und als nachher Hedwig ihre jüngere Schwester bitter tadelte, weil sie erlaubt habe, daß der Kapitän sie auf den Mund küsse, antwortete jene: »Du hast gefehlt, nicht ich, daß du es unterlassen hast; solche Höflichkeit waren wir einem Manne schuldig, der für unsern Bruder so viel tut.«
»Ei,« erwiderte Hedwig errötend, »Blankenberg hat ihn eigentlich doch auch gerettet.«
13.
Die beiden jungen Männer ritten schweigend durch die finstere Nacht hin. Kein Stern war am Himmel und der Wind heulte um die Berge. »Hu! Siehst du dort?« flüsterte Reelzingen, als sie an dem eisernen Galgen vorbeiritten, den einst (1597) Herzog Friedrich dem Alchimisten Honauer aus dem Metall errichten ließ, das er in Gold zu verwandeln versprochen hatte. »Schau, diese ungeheure Menge Raben, es ist, als witterten sie eine neue Beute.«