»Wer?« fragte dieser betroffen.

»Der Teufel,« antwortete der Kapitän.

Lanbek gab ihm keine Antwort auf die sonderbare Rede, und sie jagten weiter durch die Nacht hin. In Zuffenhausen schlug es Viertel vor zwölf Uhr, als sie durchritten; in den meisten Häusern brannten noch die Kerzen und da und dort hörte man geistliche Lieder aus den Stuben. Der Nachtwächter stieß eben ins Horn und rief die Stunde; der Kapitän hielt an und fragte ihn, was die späten Gesänge und Gebete zu bedeuten haben.

»Ach Herr! Das ist eine arge Nacht,« antwortete dieser, »es hat ein Mann an vielen Häusern gepocht und befohlen, die Leute sollen die ganze Nacht bis zwölf Uhr beten.«

»Wer ist der Mann?« fragte Lanbek staunend.

»Alte Leute, Herr, die ihn gesehen haben, versichern, es sei unser alter Pfarrer gewesen; Gott hab' ihn selig, er ist seit zwanzig Jahren tot; aber es war ja nichts Unchristliches, was er verlangte, drum beten und singen sie in den Lichtkarzstuben und spinnen dazu.«

»Diese Nacht kann mich noch wahnsinnig machen!« rief der Kapitän, indem sie wegritten. »Gustav, ich glaube, heute nacht geht er leibhaftig auf der Erde um; ich denke, es wäre jetzt gerade die beste Zeit, den alten Burschen zu zitieren, wenn man etwa schnell Oberst werden oder zweimalhunderttausend spanische Quadrupel haben möchte.«

»Tor!« antwortete der Freund. »Der, den du meinst, hat mit dem Gebet nichts gemein.«

Es war, als ob ihre Pferde nur zum Schein die Beine aufhöben, denn jede Viertelstunde, die sie zurücklegten, schien zu einer neuen anzuwachsen. Noch immer wollte Ludwigsburg nicht erscheinen und die Nacht war so finster, daß sie auch an der Gegend nicht erkennen konnten, ob sie fehlgeritten oder ob sie der Stadt schon nahe seien. Endlich, nachdem sie etwa wieder eine halbe Stunde geritten sein mochten, sahen sie in der Entfernung von etwa tausend Schritten Lichter schimmern, fanden aber auch zugleich ihren Weg durch vier Pferde versperrt, die, an einen Reisewagen gespannt, quer über die Landstraße standen.

»Führ' deine Pferde hinweg, Fuhrmann!« rief der Kapitän, »oder meine Peitsche wird sie bald weggetrieben haben; warum versperrst du den Weg?«