Das erste kleine Werk, mit dem er 1825 öffentlich auftrat, ist der »Märchenalmanach auf das Jahr 1826 für Söhne und Töchter gebildeter Stände«. Zunächst für seine Zöglinge niedergeschrieben, beweist diese kleine Sammlung Hauffs eigentliches Dichtertalent; diese Märchen, deren ursprünglicher Stoff zwar nicht ihm selbst angehört, die jedoch mit freiem Phantasiespiel behandelt und schön abgerundet sind, gehören mit zu den besten seiner Werke; im Almanach für 1827 folgte eine weitere Reihe prächtiger Märchen. Die besten davon, die nicht allein jugendliche Gemüter fesseln, sondern auch von dem gereiften Manne mit immer neuer Freude gelesen werden können, gehören nicht rein dem Gebiete des Märchenhaften an – nein! diese sagenhaften Geschichten aus dem Spessart ergreifen das Herz und eine lebendige unvergängliche Jugendfrische steigt aus diesen Gebilden hervor.
Unmittelbar auf diesen ersten Märchenalmanach folgt der erste Teil der »Mitteilungen aus den Memoiren des Satan«, die reich an heller Phantasie und glücklicher Darstellungsgabe sind und in denen ein kecker Humor und treffende Satire walten. Die barocke Studentenwelt, von deren Anschauung der junge Mann eben erst herkam, gab ihm hier vielfache Gelegenheit, sein Talent zu üben; diese Satansmemoiren erregten Aufsehen und verschafften dem Verfasser einen ausgebreiteten Ruf, erzeugten aber auch seiner Zeit durch ihre satirischen Ausfälle manchen Aerger, manche Empfindlichkeit und besonders wurde ihm der Angriff auf Goethe und seinen Faust sehr verübelt. Manche dieser Skizzen, in denen er Figuren aus seinen Bekanntenkreisen gezeichnet hat, sind von zwingendem Humor und reicher Satire, in denen Hauff eine Meisterschaft besaß. Die Novelle »Der Fluch« scheint Hauff eingeflochten zu haben, weil er vielleicht die eigentliche Lust zur Fortsetzung dieser Mitteilungen verlor.
Da Hauff merkte, wie leicht ihm die Darstellung wurde und daß ihn seine Beobachtungsgabe auch für moderne Stoffe befähigte, entschloß er sich aus der idealen Märchen- und Phantasienwelt in die realere des Konversationslebens überzugehen. Im Winter 1825 bis 1826 schrieb er den »Mann im Mond«, einen kleinen Roman aus dem modernen Leben. Nach Andeutungen von G. Schwab und nach den Erinnerungen von Wolfgang Menzel scheint Hauff zuerst lediglich die Absicht gehabt zu haben, das große Publikum zu interessieren. Wolfgang Menzel, der das Manuskript gelesen hatte, machte ihm die größten Vorwürfe, ein Machwerk à la Clauren (Hofrat Heun in Berlin) geschrieben zu haben, und daß sein Flug nicht höher ginge als der des Berliner Hofrats. Er gab ihm den Rat, die Farben noch viel stärker aufzutragen und dann das Buch unter Claurens Namen erscheinen zu lassen. Hauff befolgte den Rat. Es steht jedoch noch in Frage, ob Menzels Darstellung eine richtige ist; sie wird von vielen neuerdings bestritten. Jedenfalls schaffte Hauff somit eine köstliche Satire auf Clauren, eine verkehrte und verwerfliche Manier mehr durch Uebertreibung, als durch Spott und Verhöhnung derselben bekämpfend.
Wilhelm Hauff fühlte jedoch später, was er sich denjenigen gegenüber schuldig war, die ernstere Rechenschaft von dem Schriftsteller fordern; er griff den Gegner in seiner durch Gesinnung und Ausdruck nicht minder als durch beißenden Witz und echten Humor ausgezeichnete »Kontroverspredigt« auf eine gründlichere und entschiedenere Weise an. Seine Kontroverspredigt ist eine von sittlicher Entrüstung getragene vernichtende Kritik der Claurenschen Manier.
Der Ruhm, den Hauff bei dem großen Publikum durch seinen »Mann im Mond« gefunden und die Lust, sich mit modernen Schriftstellern zu messen, führte ihn immer mehr den Darstellungen der modernen Welt und dem eigentlichen Konversationstone in der Novelle zu. So entstand eine Reihe von Erzählungen, die in belletristischen Zeitschriften und Taschenbüchern erschienen – nur »Jud Süß« schrieb er später – und der zweite Teil der Satansmemoiren.
Der Erfolg, den Walter Scott mit seinen historischen Romanen auch in Deutschland hatte, veranlaßte ihn, einen deutsch-historischen Roman zu schreiben, und er begann seinen »Lichtenstein,« den er in sehr kurzer Zeit beendete. Diese romantische Sage fand großen Beifall in ganz Deutschland. Der anmutige Stoff ist keine Sage, sondern reine Erfindung des Verfassers, die sich wie Efeu hinaufrankt an das alte Felsenschlößchen Lichtenstein. Trotz mancher Mängel der Anlage und Charakterzeichnung sind doch große Schönheiten im einzelnen und Hauff würde bei einem zweiten Romane dieser Art gewiß etwas Vollkommenes erreicht haben. Hauff ist in der Charakterisierung des Herzogs Ulerich von Württemberg bedeutend von der historischen Wahrheit abgewichen und hat ihn viel zu ideal geschildert, sich auch im ganzen große geschichtliche Licenzen erlaubt, doch spricht aus diesem Roman ein so edler, hoher Sinn, er ist so getragen von des Autors liebevoller Vertiefung in die Vergangenheit seines Heimatlandes, so viele erschütternde, poetische und auch komische Szenen schmücken das Werk, daß »Lichtenstein« stets eine Perle unseres Sagenschatzes bleiben und zu den Lieblingsbüchern unseres Volkes gehören wird.
Nach Vollendung seines Lichtensteins verließ Hauff seine bisherigen Verhältnisse. Der Ertrag seiner literarischen Arbeiten erlaubte ihm eine Reise zunächst über Frankfurt und Mainz nach Paris und dann durch Belgien und Norddeutschland. Seine Liebenswürdigkeit erwarb ihm auf diesen Wanderungen allenthalben, besonders in Dresden, Berlin und den Hansestädten persönliche Freunde unter allen Klassen der Gesellschaft.
Durch den Kriminaldirektor Hitzig in Berlin, den er in Hamburg kennen gelernt hatte, wurde dem jungen Württemberger der Aufenthalt in der preußischen Hauptstadt so angenehm wie möglich gemacht, namentlich dadurch, daß er ihn mit den literarischen Kreisen vorzüglich mit der berühmten Mittwochs-Gesellschaft und ausgezeichneten Männern in Verbindung brachte. Im Spätherbst 1826 kehrte er nach Stuttgart zurück, durch Eindrücke gestärkt und Erfahrungen bereichert. Für die Poesie trugen Hauffs Reisen nur eine zur vollen Reife gekommene Frucht, die prächtigen »Phantasien im Bremer Ratskeller«, womit er im Herbst 1827 den Freunden des Weines ein Geschenk machte. Diese glückliche Mischung von übermütigem Humor und poetischem Ernst, diese lebendige Charakterisierung der köstlichen Figuren sichern den Phantasien durch ihre echte, feurige Poesie einen dauernden Wert. Kurz vorher hatte er die Erzählung »Das Bild des Kaisers« geschrieben, in der historische und poetische Wahrheit zugleich enthalten ist; er hat hierin dem obengenannten Baron von Hügel ein Denkmal gesetzt, der seiner Zeit Adjutant von Napoleon war.
Nach der Heimat zurückgekehrt, übernahm Hauff am 1. Januar 1827 die Redaktion des im Cottaschen Verlage erscheinenden »Morgenblatts für gebildete Stände,« dem er einen neuen Aufschwung verlieh; er brachte in demselben einige Abhandlungen und Skizzen. Im Februar desselben Jahres verheiratete er sich mit einer Cousine seines Namens, mit der ihn längst eine zarte Neigung verbunden hatte. Seine Freunde erzählen heitere Geschichten von dem Bestreben des jungen Mannes, diese Liebe, die den Verhältnissen gemäß den allergeradesten Gang hätte nehmen müssen, ins Gebiet des Phantastischen und selbst der Intrige hinüberzuziehen, so sehr war ihm romantische Verwicklung auch im täglichen Leben Bedürfnis. Dieser Bund schien übrigens sein Lebensglück dauerhaft zu begründen und gab ihm neue Lust zur Arbeit. Er trug sich mit dem Gedanken, einen historischen Roman zu schreiben, dem die Kämpfe in Tirol im Jahre 1809 zugrunde liegen sollten, und zu diesem Zwecke machte er im Juli eine Reise nach Tirol. –
Leider nahte ihm im neuen, jungen Glücke ein früher Tod.