Die Freude über die Geburt eines Töchterchens fand ihn schon durch Unpäßlichkeit gedrückt, die durch angestrengte Dienste am Kranken- und Sterbebette eines durch einen Sturz verunglückten teueren Freundes verursacht war. Bei der Beerdigung eines andern lieben Freundes zog er sich eine heftige Erkältung zu, und ein tückisches Nervenfieber beschlich den Widerstrebenden, der gewaltsam zur gewohnten und ihm so lieben Arbeit zurückkehren wollte.

Wenige Stunden, so erzählt sein Bruder, bevor das Fieber seine Sinne in wilden Taumel riß, belebte die Freude zum letztenmal seine Züge bei der Kunde von der Seeschlacht bei Navarin; das Ereignis, das so viele Dichter zu politisch-poetischen Erzeugnissen begeisterte und Freude in der ganzen gebildeten Welt erregte, konnte er nicht mehr besingen, er konnte sich nur darüber freuen; er nahm die Freude hinüber in des Fiebers Wahnsinn, und es war rührend zu hören, wie er, sich für den Schlachtboten nach dem Jenseits haltend, mehr als einmal rief: »Laßt mich, ich muß hin, ich muß es Müller sagen!« denn kaum vor zwei Monaten hatte er in Stuttgart Wilhelm Müller, den Sänger der Griechenlieder, persönlich kennen gelernt und seit wenigen Wochen seinen jähen Tod betrauert.

Wilhelm Hauff entschlief sanft, indem er von den Seinigen Abschied nahm und Gott »seinen unsterblichen Geist« empfahl, am 18. November 1827. Die Teilnahme an seinem frühen Tode war allgemein und sie sprach sich in Stuttgart durch eine sehr zahlreiche Begleitung zum Grabe laut und rührend aus. Seine geistigen Mitarbeiter wetteiferten, ihn in Nachrufen zu feiern.

Den schönsten Nachruf widmete Wilhelm Hauffs frühem Hinscheiden Ludwig Uhland:

Dem jungen, frischen, farbenhellen Leben,
Dem reichen Frühling, dem kein Herbst gegeben,
Ihm lasset uns zum Totenopfer zollen
Den abgeknickten Zweig – den blütenvollen!

Noch eben war von dieses Frühlings Scheine
Das Vaterland beglänzt. – Auf schroffem Steine,
Dem man die Burg gebrochen, hob sich neu
Ein Wolkenschloß, ein zauberhaft Gebäu.
Doch in der Höhle, wo die stille Kraft
Des Erdgeists – rätselhafte Formen schafft:
Am Fackellicht der Phantasie entfaltet,
Sah'n wir zu Heldenbildern sie gestaltet;
Und jeder Hall, in Spalt und Kluft versteckt,
Ward zum beseelten Menschenwort erweckt.

Mit Heldenfahrten und mit Festestänzen,
Mit Satirlarven und mit Blumenkränzen
Umkleidete das Altertum den Sarg,
Der heiter die verglühte Asche barg:
So hat auch er, dem uns're Träne taut,
Aus Lebensbildern sich den Sarg erbaut.

Die Asche ruht – der Geist entfleucht auf Bahnen
Des Lebens, dessen Fülle wir nur ahnen,
Wo auch die Kunst ihr himmlisch Ziel erreicht
Und vor dem Urbild jedes Bild erbleicht.

Hauffs literarischer Nachlaß war gering; die erste Ausgabe seiner sämtlichen Werke wurde durch Gustav Schwab veranstaltet, der mit ihm im persönlichen Verkehr gestanden hatte. Hauffs heiterer, phantasievoller Geist, sein sinnendes Gemüt, sein jugendfrisches, liebenswürdiges Wesen spricht lebendig aus allen seinen Werken, die hierdurch und durch das gewandte Erzählertalent ihren Wert erhielten und zu Schätzen deutscher Literatur wurden.