»Sie ist ruhig darüber, sie ist größer als diese schlechten Menschen. ›Was ist es auch?‹ sagte sie, ›man kann uns gewiß nichts Böses nachsagen, und wenn man auch unser Verhältnis entdeckte, so will ich mir gerne einmal einen dummen Streich vergeben lassen; wo lebt ein Mensch, der nicht einmal einen beginge?‹«

»Eine gesunde Philosophie,« bemerkte der Major; »man kann nicht vernünftiger über solche Verhältnisse denken; denn gerade die sind meist am schlechtesten beraten, die glauben, sie können alle Menschen blenden. Doch ist mir noch eine Frage erlaubt? Wie es scheint, so sehen Sie Ihre Dame allein? denn was Sie mir erzählten, wurde schwerlich gestern im Don Juan verhandelt.«

»Wir sehen uns,« flüsterte jener, »ja, wir sehen uns, aber wo, darf ich nicht sagen, und so wahr ich lebe, das sollen auch jene Menschen nicht ausspähen. Aber lange, ich sehe es selbst ein, lange Zeit kann es nicht mehr dauern. Drum bin ich immer auf dem Sprung, Kamerad, und Ihre Hilfe soll mich retten, wenn indes meine Gelder nicht flüssig werden. ›Doch gilt es morgen, so laß uns heut noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit;‹ ich will noch glücklich, selig sein, weil es ja doch bald ein Ende haben muß.«

»Und wozu kann ich Ihnen dienen?« fragte der Major, »wenn ich nicht irre, wollten Sie mich aufsuchen.«

»Richtig, das war es, warum ich kommen wollte,« entgegnete jener nach einigem Nachsinnen. »Sophie weiß, daß Sie mein Freund sind, ich habe ihr schon früher von Ihnen erzählt, hauptsächlich die Geschichte von der Beresinabrücke, wo Sie mich zu sich auf den Rappen nahmen. Sie hat gestern mit Ihnen gesprochen und von Othello, nicht wahr? Die Fürstin will nicht zugeben, daß er aufgeführt werde, wegen irgend eines Märchens, das ich nicht mehr weiß.« –

»Sie waren sehr geheimnisvoll damit,« unterbrach ihn der Freund, »und wie mir schien, wird es die Fürstin auch nicht zugeben.«

»Und doch; ich habe sie durch ein Wort dahin gebracht. Die Prinzessin bat und flehte, und das kann ich nun einmal nicht sehen, ohne daß ich ihr zu Hilfe komme; ich nahm also eine etwas ernste Miene an und sagte: ›Sonderbar ist es doch, wenn so etwas ins Publikum kommt, ist es wie der Wind in den Gesandtschaften, und kam es einmal so weit, so darf man nicht dafür sorgen, daß es in acht Tagen als Chronique scandaleuse an allen Höfen erzählt wird.‹ Die Fürstin gab mir recht; sie sagte, wiewohl mit sehr bekümmerter und verlegener Miene zu, daß das Stück gegeben werden sollte; doch als sie wegging, rief sie mir noch zu: sie gebe das Spiel dennoch nicht verloren, denn wenn auch Othello schon auf dem Zettel stehe, lasse sie die Desdemona krank werden.«

»Das haben Sie gut gemacht!« rief der Major lachend, »also die Furcht vor der Chronique scandaleuse hat die Gespensterfurcht und das Grauen vor den Geheimnissen der Natur überwunden?«

»Jawohl, Sophie ist außer sich vor Freuden, daß sie ihren Willen hat. Ich bin gerade auf dem Weg zum Regisseur der Oper; ich soll ihm vierhundert Taler bringen, daß die Aufführung auch in pekuniärer Hinsicht keiner Schwierigkeit unterworfen sein möchte, und Sie müssen mich zu ihm begleiten.«