»Ob er wohl sein Sprichwort noch an sich hat,« fragte sich Fröben lächelnd, »das unabwendbare: ›Das habe ich ja gleich gesagt!‹ Wie oft, wenn er am wenigsten daran gedacht hatte, daß etwas gerade so geschehen werde, wie oft faßte er mich da bei der Hand und rief: ›Freund Fröben, sag' an, hab' ich es nicht schon vor vier Wochen gesagt, daß es so kommen würde? Warum habt Ihr mir nicht gefolgt?‹ Und wenn ich ihm so sonnenklar bewies, daß er zufällig gerade das Gegenteil behauptet habe, so ließ er sich unter keiner Bedingung davon abbringen und grollte drei, vier Tage lang.«

Fröben hoffte, Erfahrung und die schöne Natur um ihn her werden seinen Freund weiser gemacht haben. An einer der reizendsten Stellen des Rheintals, in der Nähe von Caub, lag sein Gut, und je näher der Reisende herabkam, desto freudiger schlug sein Herz über alle diese Herrlichkeit der Berge und des majestätischen Flusses, um so öfter sagte er zu sich: »Nein! er muß sich geändert haben; in diesen Umgebungen kann man nur hingebend, nur freundlich und teilnehmend sein, und im Genuß dieser Aussicht muß man vergessen, wenn man auch wirklich recht hat, was bei ihm leider der seltene Fall ist.«


10.

Gegen Abend langte er auf dem Gute an; er gab sein Pferd vor dem Hause einem Diener, fragte nach seinem Herrn und wurde in den Garten gewiesen. Dort erkannte er schon von weitem Gestalt und Stimme seines Freundes. Er schien in diesem Augenblick mit einem alten Mann, der an einem Baum mit Graben beschäftigt war, heftig zu streiten. »Und wenn Ihr es auch hundert Jahre nach dem alten Schlendrian gemacht habt, statt fünfzig, so muß der Baum doch so herausgenommen werden, wie ich sagte. Nur frisch daran, Alter; es kommt bei allem nur darauf an, daß man klug darüber nachdenkt.« Der Arbeiter setzte seufzend die Mütze auf, betrachtete noch einmal mit wehmütigem Blick den schönen Apfelbaum und stieß dann schnell, wie es schien unmutig, den Spaten in die Erde, um zu graben. Der Baron aber pfiff ein Liedchen, wandte sich um, und vor ihm stand ein Mensch, der ihn freundlich anlächelte und ihm die Hand entgegenstreckte. Er sah ihn verwundert an. »Was steht zu Dienst?« fragte er kurz und schnell.

»Kennst du mich nicht mehr, Faldner?« erwiderte der Fremde. »Solltest du bei deiner Baumschule London und Paris so ganz vergessen haben?«

»Ist's möglich, mein Fröben!« rief jener und eilte, den Freund zu umarmen. »Aber, mein Gott, wie hast du dich verändert, du bist so bleich und mager; das kommt von dem vielen Sitzen und Arbeiten; daß du auch gar keinen Rat befolgst, ich habe dir ja doch immer gesagt, es tauge nicht für dich.«

»Freund!« entgegnete Fröben, den dieser Empfang unwillkürlich an seine Gedanken unterwegs erinnerte: »Freund, denke doch ein wenig nach; hast du mir nicht immer gesagt, ich tauge nicht zum Landwirt, nicht zum Forstmann und dergleichen, und ich müßte eine juridische oder diplomatische Laufbahn einschlagen?«

»Ach, du guter Fröben!« sagte jener zweideutig lächelnd, »so laborierst du noch immer an einem kurzen Gedächtnis? sagte ich nicht schon damals –«

»Bitte, du hast recht, streiten wir nicht!« unterbrach ihn sein Gast, »laß uns lieber Vernünftigeres reden, wie es dir erging, seit wir uns nicht sahen, wie du lebst?«