Der Baron ließ Wein in eine Laube setzen und erzählte von seinem Leben und Treiben. Seine Erzählung bestand beinahe in nichts als in Klagen über schlechte Zeit und die Torheit der Menschen. Er gab nicht undeutlich zu verstehen, daß er es in den wenigen Jahren mit seinem hellen Kopf und den Kenntnissen, die er auf Reisen gesammelt, in der Landwirtschaft weit gebracht habe. Aber bald hatten ihm seine Nachbarn unberufen dies oder jenes abgeraten, bald hatte er unbegreifliche Widerspenstigkeit unter seinen Arbeitern selbst gefunden, die alles besser wissen wollten als er und in ihrer Verblendung sich auf lange Erfahrung stützten. Kurz, er lebte, wie er gestand, ein Leben voll ewiger Sorgen und Mühen, voll Hader und Zorn, und einige Prozesse wegen Grenzstreitigkeiten verbitterten ihm noch die wenigen frohen Stunden, die ihm die Besorgung seines Gutes übrig ließ. »Armer Freund!« dachte Fröben unter dieser Erzählung, »so reitest du noch dasselbe Steckenpferd, und es geht, wie der wildeste Renner, mit dir durch, ohne daß du es zügeln kannst.«
Doch die Reihe zu erzählen kam auch an den Gast, und er konnte seinem Freund in wenigen Worten sagen, daß er an einigen Höfen bei Gesandtschaften eingeteilt gewesen sei, daß er sich überall schlecht unterhalten, einen langen Urlaub genommen habe und jetzt wieder ein wenig in der Welt umherziehe.
»Du Glücklicher!« rief Faldner. »Wie beneide ich dir deine Verhältnisse; heute hier, morgen dort kennst keine Fesseln und kannst reisen, wohin und wie lange du willst. Es ist etwas Schönes um das Reisen! Ich wollte, ich könnte auch noch einmal so frei hinaus in die Welt!«
»Nun, was hindert dich denn?« rief Fröben lachend; »deine große Wirtschaft doch nicht? Die kannst du alle Tage einem Pächter geben, läßt dein Pferd satteln und ziehest mit mir!«
»Ach, das verstehst du nicht, Bester!« erwiderte der Baron verlegen lächelnd. »Einmal, was die Wirtschaft betrifft, da kann ich keinen Tag abwesend sein, ohne daß alles quer geht, denn ich bin doch die Seele des Ganzen. Und dann – ich habe einen dummen Streich gemacht – doch laß das gut sein; es geht einmal nicht mehr mit dem Reisen.«
In diesem Augenblicke kam ein Bedienter in die Laube, berichtete, daß die gnädige Frau zurückgekommen sei und anfragen lasse, wo man den Tee servieren solle?
»Ich denke oben im Zimmer,« sagte er, leicht errötend, und der Diener entfernte sich.
»Wie, du bist verheiratet?« fragte Fröben erstaunt. »Und das erfahre ich jetzt erst! Nun, ich wünsche Glück; aber sage mir doch – ich hätte mir ja eher des Himmels Einfall träumen lassen als diese Neuigkeit; und seit wann?«
»Seit sechs Monaten,« erwiderte der Baron kleinlaut und ohne seinen Gast anzusehen; »doch wie kann dich dies so in Erstaunen setzen; du kannst dir denken, bei meiner großen Wirtschaft, da ich alles selbst besorge, so –«
»Je nun! ich finde es ganz natürlich und angemessen; aber wenn ich zurückdenke, wie du dich früher über das Heiraten äußertest, da dachte ich nie daran, daß dir je ein Mädchen recht sein würde.«