Noch ehe Fröben so viel Fassung gewonnen hatte, seinem Satz eine allgemeinere Wendung zu geben und das ganze Gespräch von diesem Gegenstand abzuleiten, sagte Josephe, ohne ihn seinen Verstoß fühlen zu lassen: »Wir Frauen auf dem Lande genießen diese Freude freilich seltener; übrigens sind wir dennoch nicht so allein, als es dem Fremden vielleicht scheinen möchte; man besucht einander um so öfter; sehen Sie nur, welche Masse von Besuchen dort am Spiegel hängt.«
Fröben sah hin, und jene Karte fiel ihm bei. »Ach ja,« sagte er, indem er sie hervorzog, »da habe ich vorhin einen kleinen Diebstahl begangen;« er zog sie hervor und zeigte sie. »Können Sie glauben, daß ich bis gestern nicht einmal wußte, daß mein Freund verheiratet sei? Und Ihren Namen erfuhr ich erst vorhin durch diese Karte. Sie heißen Tannensee?«
»Ja,« antwortete sie lächelnd, »und diesen unberühmten Namen tauschte ich gegen den schönen von Faldner um.«
»Unberühmt? Wenn Ihr Vater der Oberst von Tannensee war, so war Ihr Name wohl nicht unberühmt.«
Sie errötete. »Ach, mein guter Vater!« rief sie. »Ja, man erzählte mir wohl von ihm, daß er für einen braven Offizier des Kaisers gegolten habe und – sie haben ihn als General begraben. Ich habe ihn nicht gekannt; nur einmal, als er aus dem Feldzug zurückkam, sah ich ihn und nachher nicht wieder.«
»Und war er nicht ein Schweizer?« fragte Fröben weiter.
Sie sah ihn staunend an. »Wenn ich nicht irre, sagte mir meine Mutter, daß Verwandte von ihm in der Schweiz leben.«
»Und Ihre Mutter, heißt sie nicht Laura und stammt aus einem spanischen Geschlecht?«
Sie erbleichte, sie zitterte bei diesen Worten. »Ja, sie hieß Laura,« antwortete sie; »aber mein Gott, was wissen Sie denn von uns, woher? – Aus einem spanischen Geschlechte?« fuhr sie gefaßter fort. »Nein, da irren Sie, meine Mutter sprach Deutsch und war eine Deutsche.«