»Wie? So ist Ihre Mutter tot?«

»Seit drei Jahren,« erwiderte sie wehmütig.

»O, schelten Sie mich nicht, wenn ich weiter frage; hatte sie nicht schwarze Haare, und, wie Sie, braune Augen? Hatte sie nicht viele Aehnlichkeit mit Ihnen?«

»Sie kannten meine Mutter,« rief sie ängstlich und zitterte heftiger.

»Nein; aber hören Sie einen sonderbaren Zufall,« erwiderte Fröben; »es müßte mich alles täuschen, wenn ich nicht einen trefflichen Verwandten Ihrer Mutter kennen gelernt hätte.« Und nun erzählte er ihr von Don Pedro. Er beschrieb ihr, wie sie sich vor dem Bilde gefunden, er ließ die Kopie von seinem Zimmer bringen und zeigte sie; er sagte ihr, wie sie genauer bekannt geworden und wie ihm Don Pedro seine Geschichte erzählte. Aber die letztere wiederholte er mit großer Schonung; er datierte sogar aus einem gewissen Zartgefühl jene Vorfälle und Lauras Flucht um ein ganzes Jahr zurück und schloß endlich damit, daß er, wenn Josephe ihre Mutter nicht eine Deutsche nennen würde, bestimmt glaubte, Mutter Laura und jene Donna Laura Tortosi des Spaniers, der Schweizerhauptmann Tannensee und ihr Vater, der Oberst, seien dieselben Personen.

Josephe war nachdenklich geworden; sinnend legte sie die Stirn in die Hand; sie schien ihm, als er geendet hatte, nicht sogleich antworten zu können.

»O, zürnen Sie mir nicht,« sagte Fröben, »wenn ich mich hinreißen ließ, dem wunderlichen Spiel des Zufalls diese Deutung zu geben.«

»O, wie könnte ich denn Ihnen zürnen?« sagte sie bewegt, und Tränen drängten sich aus den schönen Augen. »Es ist ja nur mein schweres Schicksal, das auch dieses Dunkel wieder herbeiführt. Wie könnte ich auch wähnen, jemals ganz glücklich zu sein?«

»Mein Gott, was habe ich gemacht!« rief Fröben, als er sah, wie ihre Tränen heftiger strömten. »Es ist ja alles nur eine törichte Vermutung von mir. Ihre Mutter war ja eine Deutsche, Ihre Verwandten und Sie werden ja dies alles besser wissen –«