Die Sängerin erstaunte, eine tiefe Röte flog über ihr schönes Gesicht, sie ergriff in großer Bewegung den Kapellmeister bei der Hand; »Carlo,« rief sie, »jetzt gilt es zu sprechen, ich kann es nicht verschweigen; ja, Herr Direktor, ich werde diesen teuren Namen genannt haben, aber ich meinte nicht jenen Herrn, sondern –«
»Mich!« rief der Kapellmeister und trat hervor. »Ich heiße, wenn es mein lieber Vater dort erlaubt, Karl Bolnau!«
»Karl! Musikant! Amerikaner!« rief der Türke und umarmte ihn; »das ist das erste gescheite Wort in deinem Leben, du hast mich aus einem großen Jammer befreit.«
»Wenn sich die Sache so verhält,« sagte der Direktor, »so sind Sie frei, und wir haben in dieser Sache nur mit gegenwärtigem Herrn Chevalier de Planto zu tun.« Er wandte sich um zu dem Bette; dort stand der Arzt und hielt die Hand des Mörders in der seinigen; er legte sie ernst und ruhig auf die Decke und drückte ihm die starren Augen zu. »Direktor,« sagte er, »der macht es jetzt mit einem höheren Richter aus.«
Man verstand ihn; sie gingen aus dem Gemach des furchtbaren Toten und traten drüben bei dem Kapellmeister, dem glücklichen, wiedergefundenen Sohne des Pascha, ein; die Sängerin verbarg ihr Gesicht an der Brust des Geliebten, ihre Tränen strömten heftig, aber es waren die letzten, die sie ihrem unglücklichen Schicksal weinte; denn der Pascha ging lächelnd um das schöne Paar, er schien an einem großen Entschluß zu arbeiten; er besprach sich heimlich mit dem Medizinalrat und trat von diesem zu seinem Sohn und der Sängerin. »Liebste Mademoiselle,« sprach er, »ich habe Ihretwegen vieles ausgestanden, Sie haben meinen Namen so verfänglich genannt, daß ich Sie bitte, ihn mit dem Ihrigen zu vertauschen. Sie haben gestern meinen Teller mit Punsch verschmäht, werden Sie mich wieder zurückstoßen, wenn ich Ihnen gegenwärtigen Herrn Karl Bolnau, meinen musikalischen Sohn, präsentiere, mit der Bitte, ihn zu ehelichen?«
Sie sagte nicht nein; sie küßte mit Freudentränen seine Hand, der Kapellmeister schloß sie mit Entzücken in seine Arme und schien diesmal sein erhabenes Pathos ganz vergessen zu haben. Der Kommerzienrat aber faßte des Doktors Hand: »Lange, sage Er, hätte ich denken können, daß es so kommen würde, als Er mir den Schrecken in alle Glieder jagte, als ich die Scheiben des Palais zählte und Er mir sagte: ›Ihr letztes Wort war Bolnau!‹«
»Nun! was will Er weiter!« antwortete der Medizinalrat lächelnd; »es war doch gut, daß ich es Ihm damals sagte; wer weiß es, ob alles so gekommen wäre ohne das letzte Wort der Sängerin.«