»So spät noch, und heute, in dieser Nacht?« rief er.
»Mir ist es vor zwölf Uhr nie zu spät,« entgegnete ich, »und nachher ist es wohl frühe genug am Tage.«
»Aber muß es denn,« wollte er eben fragen, doch Siegel und Handschrift seiner Obern fiel ihm wieder ins Auge, und schweigend, aber nicht ohne Zögern, schritt er voraus durch die Hallen. Welch herzerquickender Anblick, wenn sein Windlicht über die lange Reihe der Fässer hinstreifte, welch sonderbare Formen und Schatten, wenn es an den Schwibbogen des Kellers zitterte und die Säulen im dunkeln Hintergrunde wie geschäftige Küper um die Fässer schwebten! Er wollte mir eines jener kleineren Gemächer aufschließen, wo höchstens sechs bis acht Freunde, eng zusammengerückt, den Becher kreisen lassen können. Doch, mit trauten Gesellen liebe ich ein solches heimliches Plätzchen; der enge Raum drängt Mann an Mann, und die Töne, die hier nicht verhallen können, klingen traulicher; aber allein und einsam liebe ich freiere Räume, wo der Gedanke, gleich den Atemzügen, sich freier ausdehnt. Ich wählte einen alten gewölbten Saal, den größten in diesen unterirdischen Räumen, zu meinem einsamen Gelage.
»Erwarten Sie Gesellschaft?« fragte der Mann an meiner Seite.
»Ich bin allein.«
»Sie könnten ungebeten welche haben,« setzte er hinzu, indem er sich scheu nach den Schatten umsah, die seine Lampe warf.
»Wie meint Ihr das?« fragte ich verwundert.
»Ich meinte nur so,« antwortete er, indem er einige Kerzen anzündete und einen großen Römer vor mich hinsetzte. »Man spricht mancherlei vom ersten September – der Herr Senator D. waren übrigens schon vor zwei Stunden da, und ich erwartete Sie nicht mehr.«
»Der Herr Senator D.? Warum? Fragte er nach mir?«