»Nein, er hieß mich nur die Proben herausnehmen.«
»Welche Proben, mein Freund?«
»Nun, die von den Zwölfen und der Rose;« erwiderte der alte Mann, indem er anfing, einige niedliche Fläschchen mit langen Papierstreifen an den Hälsen hervorzuziehen.
»Wie!« rief ich, »man sagte mir ja, ich könnte den Wein von den Fässern selbst trinken!«
»Ja, aber nur im Beisein eines Herrn vom Senat. Darum hieß mich der Herr Senator die Zungenpröbchen herausnehmen, und so will ich sie Ihnen einschenken, wenn's gefällig.«
»Nicht einen Tropfen,« unterbrach ich ihn, »hier kein Glas voll; nein, das ist der echte Genuß, vom Fasse zu trinken, und ist es mir nicht mehr möglich, so will ich doch am Fasse trinken. Kommt, Alter, nehmet die Proben mit, ich will das Licht tragen.«
Ich stand schon einige Minuten und sah dem wunderlichen Treiben des alten Dieners zu. Bald stand er still, sah auf mich und räusperte sich, als wollt' er sprechen, bald nahm er die Proben vom Tisch und packte sie in seine weiten Taschen, bald nahm er sie zögernd wieder heraus, um sie auf den Tisch zu setzen. Es ermüdete mich; »nun, sollen wir bald gehen?« rief ich voll Sehnsucht nach dem Apostelkeller. »Wie lange wollt Ihr noch an Euren Gläschen hier aus- und einpacken?«
Der ernste Ton, in welchem ich dies sagte, schien ihm Mut zu machen. Ziemlich bestimmt antwortete er: »Es geht nicht, – nein! Heute geht es nicht mehr, Herr!«
Ich glaubte hierin einen jener gewöhnlichen Kniffe zu sehen, womit Hausverwalter, Kastellane oder Kellermeister dem Fremden Geld abzuzwacken suchen, drückte ihm ein hinlängliches Geldstück in die Hand und nahm ihn beim Arm, ihn fortzuziehen.
»Nein, so war es nicht gemeint,« entgegnete er, indem er das Geldstück zurückzuschieben suchte: »so nicht, fremder Herr! Ich will es nur gerade heraus sagen: mich bringt man nicht mehr in den Apostelkeller in dieser Nacht, denn wir schreiben heute den ersten September.«