»Nein, Euer Exzellenz! solch ein Meister des Gesanges bin ich nicht. Aber den, der es gedichtet, haben sie längst begraben; er hieß Matthias Claudius!«
»Sie haben – einen guten Mann begraben,« sagte Paulus. »Wie klar und munter ist dies Lied, so klar und helle wie echter Wein, so mutig und munter wie der Geist, der im Weine wohnet und gewürzt mit Scherz und Laune, die wie ein würziger Duft aus dem Römer steigen; der Mann hat gewiß verstanden, welch gutes Ding es um ein Glas lautern Weines ist.«
»Herr, er ist lange tot, das weiß ich nicht, aber ein anderer großer Sterblicher hat gesagt: ›Guter Wein ist ein gutes, geselliges Ding, und jeder Mensch kann sich wohl einmal von ihm begeistern lassen!‹ Und ich denke, der alte Matthias hat auch so gedacht unter guten Freunden, hätte ja sonst solch ein schönes Lied nicht machen können, das noch heute alle fröhlichen Menschen singen, die im Rheingau wandeln oder edeln Rheinwein trinken.«
»Singen sie das?« rief Bacchus. »Nun seht, Doktor, das freut mich, und so gar miserabel muß Euer Geschlecht doch nicht geworden sein, wenn sie so klare, schöne Lieder haben und singen.«
»Ach, Herr!« sprach ich bekümmert. »Es gibt der Ueberschwenglichen gar viele, das sind die Pietisten in der Poesie, und wollen solch Lied gar nicht für ein Gedicht gelten lassen, wie manchen Frömmlern das Vaterunser nicht mystisch genug zum Beten ist.«
»Es hat zu jeder Zeit Narren gegeben, Herr!« erwiderte mir Petrus, »und jeder fegt am besten vor seiner eigenen Türe. Aber weil wir gerade bei seinem Geschlecht sind, erzähl' Er uns doch, wie es auf der Erde ging im letzten Jahr?«
»Wenn es die Herren und Damen interessiert,« – sprach ich zögernd.
»Immerzu,« rief Roland, »wegen meiner könntet Ihr die letzten fünfhundert Jahre erzählen, denn auf meinem Domhof sehe ich nichts als Zigarrenmacher, Weinbrauer, Pfarrer und alte Weiber.« Auch die übrigen stimmten mit ein; ich hub also an:
»Was zuerst die deutsche Literatur betrifft –«
»Halt, manum de tabula!« rief Paulus. »Was scheren wir uns um euer miserables Geschmier, um eure kleinlichen, ekelhaften Gassenstreite und Kneipenraufereien, um eure Poetaster, Afterpropheten und –«