Ich erschrak; wenn diesen Leuten nicht einmal unsere wunderherrliche, magnifike Literatur interessant war, was konnte ich ihnen denn sagen? Ich besann mich und fuhr fort: »Offenbar hat Joco im letzten Jahre, was das Theater anbelangt –«

»Theater? Geht mir weg!« unterbrach Andreas, »was sollen wir von euren Puppenspielen, Marionettenkomödien und sonstigen Torheiten hören! Meinet Ihr etwa, uns komme viel darauf an, ob einer eurer Lustspieldichter ausgepfiffen wurde oder nicht? Habt Ihr denn dermalen gar nichts Interessantes, nichts Welthistorisches, das Ihr etwa erzählen könntet?«

»Ach, daß Gott erbarm',« erwiderte ich, »bei uns ist die Welthistorie ausgegangen, wir haben in diesem Fach nur noch den Bundestag in Frankfurt. Bei unsern Nachbarn höchstens gibt es noch hin und wieder etwas; zum Beispiel in Frankreich haben die Jesuiten wieder Macht gewonnen und das Zepter an sich gerissen, und in Rußland sollte es eine Revolution geben.«

»Ihr verwechselt die Namen, Freund!« sagte Judas, »Ihr wolltet sagen, in Rußland sind die Jesuiten wieder eingezogen, und in Frankreich sollte es eine Revolution geben.«

»Mit nichten, Herr Judas von Ischariot,« antwortete ich, »so ist es, wie ich gesagt.«

»Ei der Tausend!« murmelten sie nachdenklich, »das ist ja ganz sonderbar und verkehrt!« – »Und,« fragte Petrus, »Krieg gibt es nicht?«

»Ein klein wenig, wird aber bald vollends zu Ende sein, in Griechenland, gegen die Türken.«

»Ha! das ist schön,« rief der Paladin und schlug mit der steinernen Faust auf den Tisch. »Hat mich schon vor vielen Jahren geärgert, daß die Christenheit so schnöde zuschaute, wie der Muselmann dies herrliche Volk in Banden hielt; das ist schön, wahrlich! Ihr lebet in einer schönen Zeit, und Euer Geschlecht ist edler, als ich dachte. Also die Ritter von Deutschland und Frankreich, von Italien, Spanien und England sind ausgezogen wie einst unter Richard Löwenherz, die Ungläubigen zu bekämpfen? Die Genueser Flotte schifft im Archipel, die Tausende der Streiter überzusetzen, die Oriflamme naht sich Stambuls Küsten, und Oesterreichs Banner weht im ersten Reihen? Ha! zu solchem Kampfe möchte ich selbst noch einmal mein Roß besteigen, mein gutes Schwert Durande ziehen und in mein Hifthorn stoßen, daß alle Helden, die da schlafen, aufstünden aus den Gräbern und mit mir zögen in die Türkenschlacht.«

»Edler Ritter,« antwortete ich und errötete vor meiner Zeit, »die Zeiten haben sich geändert. Ihr würdet wahrscheinlich als Demagoge verhaftet werden bei sotanen Umständen und Verhältnissen, denn weder Habsburgs Banner noch die Oriflamme, weder Englands Harfe noch Hispaniens Löwen sieht man in jenen Gefechten.«

»Wer ist es denn, der gegen den Halbmond schlägt, wenn es nicht diese sind?«