»Die Griechen selbst.«
»Die Griechen? Ist es möglich?« rief Johannes; »und die andern Staaten, wo sind denn diese beschäftigt?«
»Noch haben sie Gesandte bei der Pforte.«
»Mensch, was sagst du?« sprach Roland, starr vor Staunen; »kann man es ignorieren, wenn ein Volk um seine Freiheit kämpft? Heilige Jungfrau, was ist dies für eine Welt! Wahrlich das möchte einen Stein erbarmen!« Er quetschte im Zorn, während er die letzten Worte sprach, den silbernen Becher wie dünnes Zinn zusammen, daß der Wein darin hoch an die Decke spritzte, fuhr rasselnd auf vom Tisch, nahm seine Tartsche und sein langes Schwert und schritt düster mit dröhnenden Schritten aus dem Gemach.
»Ei, was ist der steinerne Roland für ein zorniger Kumpan!« murmelte Rose, nachdem er die Pforte klirrend zugeworfen, indem sie etliche Weintropfen, die sie benetzten, vom Busentuch abschüttelte. »Will der steinerne Narr auf seine alten Tage noch zu Felde ziehen! Wenn er sich sehen ließe, sie steckten ihn gleich ohne Barmherzigkeit als Flügelmann unter die Brandenburger Grenadiere, denn die Größe hat er.«
»Jungfer Rose,« erwiderte ihr Petrus, »zornig ist er, das ist wahr, und er hätte können auf andere Weise davongehen; aber bedenket, daß er einst Furioso, wahnsinnig war und noch ganz andere Sachen getan, als silberne Becher zerquetscht und Frauenzimmer mit Wein besudelt. Und genau beim Lichte besehen, kann ich ihm seinen Unmut auch nicht verdenken; war er doch auch einmal ein Mensch und dazu ein herrlicher Paladin des großen Kaisers, ein tapferer Ritter, der, wenn es Karl gewollt hätte, allein gegen tausend Muselmannen zu Felde gezogen wäre. Da hat er sich denn geschämt und ist unmutig geworden.«
»Laßt ihn laufen, den steinernen Recken!« rief Bacchus, »hat mich geniert, der Bursche, hat mich geniert. Er paßt nicht unter uns, der Lümmel von zehn Schuh, er sah immer höhnisch auf mich herab. Die ganze Freudigkeit und mein Vergnügen hätt' er gestört. Wir wären nicht zum Tanzen gekommen, nur weil er mit seinen steifen, steinernen Beinen keinen tüchtigen Hopser hätte riskieren können, ohne elend umzustülpen.«
»Ja tanzen, heisa, tanzen!« riefen die Apostel; »Balthasar spiel' auf, spiel' auf!«
Judas stand auf, zog ungeheure Stülphandschuhe an, die ihm beinahe bis zum Ellbogen reichten, trat zierlich an die Jungfrau heran und sagte: »Ehrenfeste und allerschönste Jungfer Rose, dürfte ich mir die absonderliche Ehre ausbitten, mit Ihr den ersten –«