»Wo ist Robert?« rief Rantow drängender.

»Il est prisonnier!« erwiderte er traurig. »Auf die Festung gebracht comme ennemi de la patrie, comme démocrate; vier Dragons de la gensdarmerie haben ihn eskortiert, o, mein armer Monsieur Robert!«

»Führe mich zum General!« sagte Rantow, als er diese Nachricht hörte.

»Monsieur le general est sorti.«

»Wohin?« rief der junge Mann, unwillig darüber, daß er jedes Wort dem alten Soldaten abfragen mußte.

»Mit seinem Sohn à la capitale, zu fragen, was Monsieur de Willi verschuldet.«

Als Rantow sah, daß hier nichts mehr zu tun sei, suchte er einen andern Bedienten auf und ließ sich die näheren Umstände der Verhaftung erzählen. Er hörte, daß spät abends, in Roberts Abwesenheit, ein Kommissär angekommen sei, der nach einer kurzen Rücksprache mit dem General die Papiere des jungen Willi untersucht und teilweise versiegelt habe. Darauf sei Robert nach Hause gekommen und habe sich gutwillig darein ergeben, dem Kommissär zu folgen; er habe seinem Vater das Wort darauf gegeben, daß man ihn unschuldig finden werde; das letztere hatte der General einem Bedienten befohlen, am nächsten Morgen dem Herrn von Thierberg und seiner Familie zu sagen; er habe sich dann zu Pferd gesetzt und sei, nur von einem Bedienten begleitet, vom Schloß weggeritten. Der junge Willi selbst hatte weder nach Thierberg noch sonst wohin Aufträge zurückgelassen.

Soviel erfuhr Albert, und diese Nachrichten waren nicht dazu geeignet, ihn auf dem Rückweg freudiger zu stimmen. Er konnte auf den Trost, welchen Robert seinem Vater gegeben, keine große Hoffnung bauen, und vor allem war ihm vor dem Augenblicke bange, wo er die schmerzliche Kunde der trauernden Anna bringen sollte.


10.