Cachez ce lambeau tricolore!
C'est sa voix; il aborde, et la France est à lui.
Ernst, beinahe traurig, doch nicht ohne Triumph, fuhr sie fort:
Il la joue, il la perd; l'Europe est satisfaite
Et l'aigle, qui, tombant aux pieds du Léopard,
Change en grand capitaine un héros de hasard,
Illustre aussi vingt rois, dont la gloire muette
N'eût jamais retenti chez la postérité;
Et d'une part dans sa défaite,
Il fait à chacun d'eux une immortalité.[1]
[1] Sept Messéniennes nouvelles par C. Delavigne. 1re. Le départ.
Als sie geendet hatte, legte sie die Gitarre nieder und ging, während die Männer noch in verlegener Stille saßen, schnell hinweg.
»Il la joue, il la perd,« sprach der alte Thierberg lachend. »Eine große Wahrheit! Und dieser Dichter, wer er auch sein mag, konnte jenen Mann nicht besser schildern; seine ganze Größe bestand ja nur darin, daß er das rouge et noir so hoch als möglich spielte, und der alte Satz, daß der kaltblütigste Spieler endlich gewinnt, bestätigte sich an ihm. Der Leopard hat doch die Bank gesprengt, und Wellington wird es eben darum keinen Kummer machen, wenn man ihn héros de hasard nennt.«
»Wie lächerlich sind solche Hyperbeln!« rief Rantow, »als ob zwanzig Könige ihren Nachruhm, ihre Unsterblichkeit diesem Sommerkönig zu verdanken hätten! Was uns betrifft wenigstens, so wird man eingestehen müssen, daß der Ruhm der preußischen Waffen älter ist als der des sogenannten Siegers von Italien, und nicht erst von der großen Nation geadelt werden mußte.«
»Und dennoch,« erwiderte der General mit großer Ruhe, »dennoch wird man einst nicht sagen, es war Bonaparte, der zur Zeit dieses oder jenes Königs lebte – man wird sagen, Herr von Rantow, sie waren Zeitgenossen Napoleons. Doch was den Obergeneral des englischen Heeres in der Bataille von Mont St. Jean betrifft, so möchte es die Frage sein, ob ihm der Titel héros de hasard sehr angenehm ist; soviel ist wenigstens gewiß, daß er jene Schlacht nicht gewonnen, sondern nur – nicht verloren hat.«
»Es ist ein Glück für die Welt,« bemerkte Thierberg lächelnd, »daß man Ihren Satz umkehren kann, und daß er dann noch höhere Wahrheit enthält; Ihr Herr und Meister hat jene Schlacht zwar nicht gewonnen, aber desto gewisser verloren.«
»Er hat sie verloren,« antwortete der General; »was die Welt damit verlor, will ich nicht aussprechen, aber jene Strophe, womit Anna ihren Gesang schloß, drückt aus, wer noch am Abend jenes unglücklichen Tages, als Cäsar und sein Glück von der Uebermacht zerschmettert wurden, als meine braven Kameraden auf Mont St. Jean den letzten Atem aushauchten – der Größere war.«