»Es ging mir nur so durch den Kopf,« sprach der Stallmeister; »gestehen Sie selbst, seit Tieck mit Marlow und Green im Wirtshaus zusammenkam, glauben sie alle, es könne keinen schicklicheren Ort geben, um eine Novelle anzufangen; erinnern Sie sich nur an die Almanache des letzten Jahres; doch Sie selbst sind ja solch ein Stück von einem Poeten, und wenn Sie durchaus heute mit dem Italiener anfangen wollen, so mögen Sie Ihren Willen haben.«
»Sie werden erwartet, Herr Doktor Zundler,« sagte der Italiener, als die beiden Männer in den Keller traten, »der Buchhändler Kaper sitzt schon seit einer Viertelstunde im Eckstübchen und fragt oft nach Ihnen.«
Der Stallmeister machte Miene, sich entfernen zu wollen; Doktor Zundler aber faßte heftig seine Hand. »Bleiben Sie immer,« rief er, »kommen Sie mit zu dem Buchhändler; er wird wohl von meinem neuen Roman gehört haben und mir Verlag anbieten; da können Sie einmal sehen, wie unsereiner Geschäfte macht; habe ich ja selbst schon oft Ihren Pferdeeinkäufen beigewohnt.«
Der Stallmeister folgte; in einer Ecke sah er einen kleinen, bleichen Mann, der hastig an einem Rippchen zehrte, und so oft er einen Biß getan, Lippen und Finger ableckte; er erinnerte sich, diese Figur hie und da durch die Straßen schleichen gesehen zu haben, und hatte den Mann immer für einen Krämer gehalten; jetzt wurde ihm dieser als Buchhändler Kaper vorgestellt. Zur Verwunderung des Stallmeisters sprach er nicht zuerst den Dichter, sondern ihn selbst an: »Herr Stallmeister,« sprach er, »schon lange habe ich mich gesehnt, Ihre werte Bekanntschaft zu machen. Wenn Sie oft an meinem Gewölbe vorbeiritten, ritten, ich darf sagen, wie ein Gott, da sagte ich immer zu meinem Buchhalter, und auf Ehre, es ist wahr, Winkelmann, sagte ich (Sie kennen ihn ja, Herr Doktor), Winkelmann, es fehlt uns schon lange an einem tüchtigen Pferde- und Bereiterbuch. Der Pferdealmanach erscheint schon lange nicht mehr, und was letzthin der Herr Baptist bei den Kunstreitern geschrieben, ist auch mehr für Dilettanten, obgleich die Vignette schön ist, Sie haben ja den Menschen persönlich gesehen, Herr Doktor; nun, sagte ich, ein solches Buch zu schreiben, wäre der Herr Stallmeister von Rempen ganz der Mann. Etwa fürs erste achtzehn bis zwanzig Bogen, statt der Kupfer nehmen wir Lithographien –«
»Bemühen Sie sich nicht,« erwiderte der junge Rempen, mit Mühe das Lachen unterdrückend. »Ich bin zum Büchermachen verdorben; es geht mir nicht von der Hand, und überdies, Herr Kaper, bei unserem Metier, gerade bei unserem, muß der jüngere sich bescheiden. Da kommt es auf Erfahrung an.«
»Und ich dächte, Sie hätten Verlag genug,« sagte der Doktor, wie es schien, etwas ärgerlich, von dem Buchhändler nicht gleich beachtet worden zu sein.
»O ja, Herr Doktor, Verlag genug, was man so verlegene Bücher nennt; ich könnte Deutschland in allen Monaten, die ein R haben, mit Krebsen versehen, Sie wissen ja selbst.«
»Ich will nicht hoffen,« rief der Dichter hoch errötend, »daß Sie damit etwa mein griechisches Epos meinen –«