»Mit nichten, gewiß nicht, wir haben doch hundert etwa abgesetzt und die Kosten so ziemlich gedeckt, und der Herr Doktor werden mir nicht übelnehmen, wenn ich sage, es war eine frühe Arbeit, eine Jugendarbeit; hat doch auch Schiller nicht gleich mit dem ›Tell‹ angefangen, sondern zuerst ›Die Räuber‹ geschrieben, und überdies noch die erste Ausgabe bei Schwan und Götz, wo Franz Moor noch in den Turm kommt, die gar nicht so gut ist als die zweite; aber seit man Ihre vortreffliche Novelle in der Amathusia für 1827, seit man Ihre Rezensionen und Kritiken und die Sonette vor vier Wochen gelesen hat, läßt sich Großes erwarten.«

Der Dichter schien beruhigt. »Ich habe Sie immer für einen Mann von gesundem Urteil gehalten, Herr Kaper,« sprach er mit gütigem Lächeln; »haben Sie vielleicht schon von meinem neuen Roman gehört?«

»Ich habe, ich habe,« erwiderte der Buchhändler mit schlauer Miene; »und wo, raten Sie, wo ich davon gehört habe? Sie erraten nicht? Warum kommen denn der Herr Doktor so gerne in mein Gewölbe? Etwa wegen meiner Leihbibliothek, auf welche Sie immer zu schimpfen belieben, oder wegen des Vis-à-vis?«

»Wie!« rief der junge Mann und drückte die Hand des Buchhändlers, »hätte etwa Elise –«

»Elise Wicklow, meinen Sie?« fragte der Stallmeister, etwas näher rückend.

»Ja, meine Herren! Fräulein Wicklow,« fuhr Herr Kaper, vertraulich flüsternd, fort, »doch nicht zu laut, wenn ich bitten darf; denn soeben hat sich der Oberjustizreferendar Palvi dorthin gepflanzt in seine tägliche Ecke –«

»Welcher ist es?« fragte der Stallmeister, sich umkehrend; »ich hörte mancherlei von diesem Menschen, sonderbares Gerede von den einen und hohes Lob von anderen; der junge Mann, der so düster in sein Glas sieht, ist Palvi?«

»Es ist nicht viel an ihm,« bemerkte der Dichter. »Auf der Universität – ich war noch ein Jahr mit ihm in Göttingen – war er so eine Art von Poetaster; einmal las ich ein paar gute Gedanken von ihm, die er zu einem Fest gemacht hatte; hier treibt er ein elendes, wüstes Leben und kommt selten in gute Gesellschaft.«

»Aber gerade wegen Fräulein Wicklow dürfen wir vor ihm nicht zu laut werden,« flüsterte der Buchhändler. »Ich weiß, er kam, als er noch auf Schulen war, zuweilen hinüber ins Haus, und wie mir meine Tochter sagte, soll einmal ein Verhältnis zwischen den beiden Leutchen –«