Der Stallmeister fühlte sich von dieser Szene auf mehr als eine Weise ergriffen; er konnte zwar Palvi nichts vorwerfen, er hatte zwei Worte mit Elisen und diese öffentlich gesprochen; es war, wenn er selbst auch wirkliche Rechte auf das Fräulein gehabt hätte, kein Grund zur Eifersucht da, denn sie schien jenen sogar zu scheuen, zu fliehen; aber dennoch lag etwas so Rätselhaftes in Palvis Betragen, etwas so schmerzlich Rührendes in seinen Mienen, und doch wieder in seinem ganzen Wesen eine so gehaltene Würde, daß Rempen sich vornahm, was es ihn auch kosten möge, Aufschluß über ihn zu suchen. Der Oheim war bemüht, die frühere Ordnung und Freude herzustellen. Spieltische wurden herbeigetragen, und aus dem Salon lud eine Violine und die lockenden Akkorde einer Harfe die junge Welt zum Tanzen ein.

Mit bewachenden Blicken folgte der Stallmeister Palvi, der, noch immer das Buch in der Hand haltend, gedankenvoll umherging. In einer Vertiefung des Fensters saß Elise. Eben ging eine Freundin von ihr weg, und Rempen nahm wahr, wie sich Palvi ihr zögernd nahte, wie er ihr mit einer tiefen Verbeugung das Buch überreichte. Schnell trat auch er hinzu, und nur die breite, dunkelrote Gardine trennte ihn von den beiden.

»Elise,« hörte er den jungen Mann sagen, »seit zehn Monaten zum erstenmal wird es mir möglich, so nahe zu stehen, nur eine Bitte habe ich –«

»Schweigen Sie,« sagte sie in leisen, aber leidenschaftlichen Tönen, »ich will nichts hören, nichts sprechen! ich habe Ihnen schon einmal gesagt: ich verachte Sie.«

»Nur das Warum möchte ich wissen,« bat er beinahe weinend; »nur ein Wörtchen, vielleicht können Sie mich doch verkennen.«

»Ich kenne Sie zu gut,« erwiderte sie unmutig, »einen so niedrigen, gemeinen Menschen kann ich nur verabscheuen.«

»Gemein, niedrig?« rief er bitter, »und dennoch schwöre ich, daß ich Ihnen Achtung abzwingen will; diesen gemeinen niedrigen Mann sollen Sie schätzen müssen! Wissen Sie, ich bin –«

»Daß Sie ein recht elender Mensch sind, weiß ich lange; darum bitte ich, entfernen Sie sich; diesen Zirkel werde ich aber nie mehr besuchen, wenn es Ihnen noch einmal einfallen sollte, mich anzureden.«

Bei diesen Worten stand sie rasch auf und entfernte sich mit einer kurzen Verbeugung gegen den unglücklichen jungen Mann.