So wichtig diese Worte, so bedeutungsvoll diese Szene war, konnte sie doch dem Stallmeister kein deutlicheres Licht geben. Palvi durfte wagen, sie mit »Elise« anzureden, sie behauptete, ihn ganz zu kennen, sie sprach so heftig ihre Gefühle aus, daß ihren Haß notwendig Liebe geboren haben mußte. – Er sah Palvi, nachdem er noch eine Weile in der Vertiefung des Fensters verweilt hatte, nach der Türe des Vorsaals gehen. Er folgte ihm dahin, wie zufällig nahm er zugleich mit jenem seinen Mantel um.
»Auch Sie scheinen kein Freund des Tanzes zu sein,« redete er den Referendär an.
»Ich habe es längst aufgegeben,« antwortete er, »aber Sie, Sie – ein Glücklicher, und nicht tanzen?«
»Ein Glücklicher?« erwiderte der Stallmeister freundlich; »davon möchte ich mir doch noch eine nähere Definition erbitten. Ueberhaupt, hier wird mir so langweilig zu Mute, und zu Hause geht mir die Tanzmusik im Kopfe herum; gehen wir, wenn Sie nichts Besseres vorhaben, nicht irgend wohin zusammen?«
Palvi schien in einiger Verlegenheit zu sein. »Ich weiß nicht, was mir Ihre Gesellschaft so wünschenswert macht,« antwortete er; »ich möchte die Hälfte der Nacht mit Ihnen verplaudern, und dennoch, werden Sie es glauben? – ich rechnete darauf, früh diese Gesellschaft zu verlassen, und habe einem Freunde den übrigen Teil des Abends zugesagt.«
»Wohlan,« fuhr der Stallmeister fort, »wenn Sie nichts gar zu Wichtiges zu besprechen haben, so folge ich Ihnen dahin.«
Der junge Mann errötete. »Das Haus ist abgelegen,« sagte er, »und für solche Gäste nicht ganz passend.«
»Und wenn es der Entenzapfen wäre,« rief Rempen; »es soll ja vortreffliches Cerevis dort geben.«
Mit einer Mischung von Staunen und Freude blickte ihn der Referendär an, doch ehe er noch fragen konnte, sprach Rempen weiter: »Verzeihen Sie meiner Neugierde, die diesmal die Diskretion überwog. Der Zufall machte mich zum Zeugen, als ein wunderlicher alter Herr Sie einlud, und schon damals wünschte ich, mit von der Partie zu sein, um so mehr,« setzte er verbindlich hinzu, »da ich diesen Abend so manchen Point de réunion zwischen uns fand.«
»Gut, so folgen Sie mir. – Sie werden ein Original kennen lernen, das aber mehr unsere Aufmerksamkeit verdient als die schwachen Kopien dort oben, die doch immer für Originale gelten möchten, ja sich selbst dafür halten. Ich meine jene Poeten und Literatoren, die uns heute morgen ein so wunderbares Schauspiel gegeben haben.«