»Literator?« fragte der Alte etwas mürrisch.
»Wo denkst du hin, Magister; ein hiesiger Literator und der Entenzapfen! Nein, er ist nicht von diesen, sondern heißt Herr von Rempen und ist Stallmeister.«
»Da haben der Herr die echte Quelle gefunden,« sprach der Alte freundlich und mit einer Herzlichkeit, die ihn sogar angenehm machte. »Der Entenzapfen hat solid Getränke. Setzet euch, da bringt die Kellnerin schon die Kannen.«
Der Stallmeister erschrak vor der großen Kanne, die ihm das niedliche Kellnermädchen mit den roten Lippen kredenzte; aber die Neugierde nach dem Magister, der Drang, von Palvi nähere Aufschlüsse über Elisens Betragen zu erhalten, milderten seinen Schauder vor dem Entenzapfen.
»Es hat einen eigenen Reiz für mich,« sagte er, um die Anrede des Alten zu erwidern, »so aus einer glänzenden Gesellschaft, wo alles voll Glanz und Putz, voll Berechnung und eitlen Benehmens ist, mich in die Einsamkeit einer solchen Schenke zu begeben. Man wird so leicht verführt, jenes schimmernde Wesen für wahres Leben, für ein Ideal der Gesellschaft zu nehmen, und nur ein plötzlicher, recht greller Tausch kann von diesem Wahne retten, besonders wenn man das Glück hat, Männer zu finden, die zu vernünftigem Gespräch bereitwillig sind.«
»Ich kann mir's denken aus früherer Zeit,« entgegnete der Alte mit ironischem Lächeln. »Nun hat man wieder anständig geschnattert und gezwitschert, Tee getrunken und göttlichem Gesange gelauscht, und als man gar ästhetisch zu werden, vorzulesen anfing, seid ihr aus Angst davongelaufen?«
»Nein,« antwortete Rempen, »so lange gelesen wurde, blieben wir.«
»Wie?« rief der Magister. »Und Ihr habt es über Euch vermocht, Herr Referendär, allerlei rosenfarbene Poesie anzuhören?«
»Man las die letzten Ritter von Marienburg,« belehrte ihn der Stallmeister.