»Elise,« erwiderte der Stallmeister sehr ernst, »Sie kennen ihn. Der Zufall ließ mich vorgestern hören, daß Sie ihm selbst sagten, wie gut Sie ihn kennen. Sie lieben ihn.«

»Nimmermehr!« rief sie mit glühendem Gesicht. »Er ist ein Abscheulicher! Glauben Sie, ich werde einen Elenden lieben, der – mein Kammermädchen anbetet?«

»Elise! Palvi?«

»Ja, ich gestehe es,« flüsterte sie, in Tränen ausbrechend, »Ihnen gestehe ich es, es gab eine Zeit, wo ich für diesen Menschen alles hätte tun können. Ich kannte ihn noch aus meiner Kindheit und auch später, er war mir wert. Aber hören Sie: schon oft hatte mir mein eingebildetes Kammermädchen von einem schönen Herrn erzählt, der sie immer anrede, ihr von Liebe vorschwatze, und dem sie recht herzlich zugetan sei. Eines Tages stand sie dort am Fenster; auf einmal schlägt sie die Hände zusammen vor Freude, bittet mich, ans Fenster zu treten, und ruft: ›Sehen Sie, der dort in der Türe des Buchladens steht, der ist der schöne Herr.‹ Sie macht mir Platz, ich trete arglos hin, und aus dem Laden tritt in diesem Augenblick –«

»Wie, doch nicht Palvi?« rief der Stallmeister, ergrimmt über das schlechte Betragen eines Mannes, den er geachtet hatte.

»Er selbst,« flüsterte Elise und drückte ihre weinenden Augen in ihr Tuch.

Der Stallmeister überließ das unglückliche Mädchen einige Minuten der Erinnerung an einen tiefen Kummer, hatte er ja doch selbst diese Pause nötig, um sich zu sammeln. Liebe, Mitleiden, so viele andere Empfindungen stürmten auf ihn ein, rissen ihn hin, Elisens Hand zu ergreifen und sie an seine brennenden Lippen zu ziehen. Erschreckt, überrascht blickte sie ihn an; doch schien ein günstiges Gefühl für ihn ihren strafenden Blick zu mildern.

»Und darf ein Mann,« sprach er bewegt, »zu Ihnen von Liebe reden, nachdem Sie so Bitteres von uns erfahren? Darf er sagen, er würde treu sein bis in den Tod, wenn Sie ihm nur einen Teil jener Liebe schenken könnten, die jener ganz besaß?«

»Julius, was fällt Ihnen ein?« rief sie mit bebenden Lippen, doch ohne ihm ihre Hand zu entziehen. »Wozu –«