Rempen suchte den Alten zu trösten; »es sei so natürlich,« sagte er, »daß Palvi sich zerstreuen wolle, daß er vielleicht nur eine kleine Reise mache!«
Aber der Alte schüttelte mit bitterem Lächeln den Kopf. »Er kommt nicht wieder; und ach! ich habe keine Freude und keinen Freund mehr! Er hat alle seine kleinen Rechnungen bezahlt, und mir,« setzte er weinend hinzu, »mir hat er seine Bücher und alles hinterlassen. – Doch mein Auftrag. Sie sehen, wie sehr er Sie schätzte, hier ist ein Paket mit Büchern an Sie, die Adresse schrieb er noch heute morgen, und in einem kleinen Zettelchen, das er darauf gelegt hat, bittet er mich, Sie bei allem, was heilig sei, zu versichern, daß er kein schlechter Mensch gewesen sei, daß er Sie liebe und in Ihrem Glück sein eigenes finde.«
Indem der Magister noch diese Worte sprach, hörte man ein Geräusch auf der Treppe, eilende Schritte nahten dem Zimmer, die Türe ging auf, und ein Zeitungsblatt in der Hand stürzte der Buchhändler Kaper in das Zimmer. »Wo ist er?« rief er erhitzt und atemlos; »wo ist der große und unvergleichliche Hüon, unser Scott, unser letzter Ritter! Wo ist Blüte und Kern unserer Literatur? Ich meine den Herrn Referendär von Palvi, der hier logiert, wenn ich nicht irre,« setzte er hinzu, als er den Gesuchten nicht im Zimmer fand.
»Er ist verreist,« antwortete der Alte.
»Himmel! komme ich zu spät?« fuhr Kaper fort, »wissen Sie nicht, hat Hüon schon einen Verleger zum nächsten Historischen? Daß wir es erst heute erfahren müssen! – Ei! ei! gratuliere, Herr Stallmeister, zu meiner schönen Nachbarin – aber wer hätte das gedacht, daß wir den göttlichen Hüon in den eigenen Mauern hätten, daß es dieser Herr von Palvi wäre!«
»Wie!« rief der Stallmeister, indem er den Alten staunend anblickte. »Er wäre Hüon?«
»Da steht's, da steht's gedruckt im Konversationsblatt,« schrie der Buchhändler, seine Zeitung dem jungen Rempen überreichend.
»Hüon,« sagte der Alte, »er war Hüon. Wohl hat er den Ungläubigen die Backenzähne ausgezogen, und vergebens kämpften sie gegen meinen edlen, jugendlichen Paladin, aber sein Geschick wollte, er sollte Hüon ohne Rezia sein.«
Noch einmal öffnete sich die Türe und spie, wie das Tor im Löwengarten des Königs Franz, zwei Leoparden auf einmal aus. Es waren der Hofrat und der dramatische Professor, die hereinstürzten. »Wo ist er?« riefen sie. »Vergessen sei alle Fehde! Wir hatten ja einen ganz andern im Verdacht, der Autor dieses Romans zu sein; darum, gewiß nur darum haben wir ihn gehauen. Ins Freitagskränzchen soll er kommen, Mitarbeiter soll er werden am belletristischen Vergnügen! Den Zundler soll er uns ersetzen, der treffliche Hüon.« So schrieen sie durcheinander, aber mit Hohn und Verachtung blickte sie der Alte an. »Ihr findet ihn nicht mehr,« sagte er. »Er ist hinweg für immer.«
»Hat er etwa einen Ruf bekommen?« rief der Professor.