»Ach Gott! gnädiges Fräulein, ich will ja auch gar nichts mehr von dem schlechten Menschen wissen, aber ich sagte nur so, weil er wieder in Herrn Kapers Laden steht.«
Elise zitterte, sie wollte von dem Spiegel hinwegeilen, aber unwiderstehlich zog es sie an das Fenster. Sie warf einen Blick hinüber, und unter jener Türe stand Zundler.
»Wie!« rief sie, kaum ihrer Worte mächtig, der Zofe zu, »ist es denn dieser?«
»I, freilich! aber werden Sie mir nur nicht böse!«
»Und dieser ist derselbe, den du damals meintest?« fuhr sie mit bebenden Lippen fort.
»Wer denn anders?« entgegnete jene ruhig; »aber ich weiß jetzt, er ist ein schlechter Mensch, und jetzt weiß ich auch, wie er heißt, Doktor Zundler.«
»Geh, geh, bringe die Kleider weg,« flüsterte Elise, indem sie ihr glühendes Gesicht halb bewußtlos in die Kissen des Sofas drückte; das Mädchen eilte erschrocken hinweg, und die unglückliche Braut war mit ihrem Gram allein. Welche Gefühle stürmten auf sie ein! Beschämung, Liebe, Unmut über sich selbst. Sie sprang auf; ein Gang durch das Zimmer machte sie mutiger. Sie wollte Rempen alles gestehen, sie war einen Augenblick überzeugt, er werde so edel sein, zurückzutreten, Palvi werde leicht zu versöhnen sein. Aber die Stadt wußte, daß heute ihre Verlobung sei. Ihr Vater hatte dem Geliebten sogar das Haus verboten, würde er jemals einwilligen, sie glücklich zu machen? Nein! – Scham vor der Welt, Reue, Angst warfen sie nieder. Bleich, erschöpft und zitternd fand sie der Stallmeister, als er bald darauf ernster, als zu diesem fröhlichen Tag sich schickte, in Elisens Zimmer trat.
»Ich muß Ihnen eine sonderbare Nachricht geben,« sagte er bewegt, indem er sich zu ihr setzte und, beschäftigt mit seinen Gedanken, ihre Verwirrung nicht bemerkte. »Palvi ist weggereist, und zwar auf immer.«
»Er ist tot!« rief sie. »Gewiß, schnell, sagen Sie es nur heraus, er hat sich getötet!«
»Nein,« erwiderte Rempen, »er hat mir einen Brief zurückgelassen, worin er Sie und mich zum letztenmal begrüßt; er ist nach Frankreich gegangen. Dorthin lautet auch sein Paß, wie mir soeben mein Onkel erzählte.«