»Wie!« unterbrach ihn Georg, »keinen Gruß? Keine Botschaft? So hat sie dich gewiß nicht ziehen lassen!«

»Als ich vorgestern Abschied nahm, sagte das Fräulein: ›Sag' ihm, er soll sich sputen, daß er einziehet in Stuttgart.‹ Sie wurde gerade so rot wie Ihr jetzt, als sie dies sprach.«

Der junge Mann errötete voll freudiger Gefühle, sein Auge glänzte, und ein freundliches Lächeln zeigte, daß er den Sinn dieser Worte verstanden habe.

»Bald, bald werden wir einziehen, so Gott will,« sagte er. »Aber wie lebten sie diesen langen Sommer? Nur dreimal kam uns Botschaft von ihnen zu! Warst du oft auf Lichtenstein, Hans? War sie traurig? Was sprach sie?«

»Lieber Herr,« antwortete der Mann von Hardt, »geduldet Euch noch, auf dem Marsch will ich Euch ein langes und breites erzählen, für jetzt nur so viel: sobald der Alte hört, daß Ihr auf Stuttgart ziehet, will er von Lichtenstein aufbrechen und Euch die Braut zuführen. Denn er zweifelt nicht, daß ihr die Stadt überwältiget. Habt ihr Heimsheim?«

»Wir haben es. Ich jagte mit zwölf Reitern in die Tore, ehe sie sich's versahen. Die Besatzung war zwar etwas stärker als wir, aber mutlos und unzufrieden. Ich handelte mit ihnen in des Herzogs Namen, da glaubten sie, er liege mit vielen Truppen noch im Hinterhalt, und ergaben sich. So weit wären wir nun in Württemberg, aber wie ist der Weg weiterhin?«

»Offen, bis ins Herz offen. Ich bringe Euch wichtige Nachricht vom Ritter von Lichtenstein; daß die gewaltigen Herren aus dem Lande sind, wisset Ihr –«

»Sie halten einen Bundestag in Nördlingen,[40] ist's nicht so? Freilich wissen wir's, denn auf diese Nachricht brach der Herzog aus Baden auf.«

»Nun, und wenn die Katzen fort sind, tanzen die Mäuse auf dem Tisch! Die Besatzungen sind überall unbesorgt, an den Herzog denkt kein Bündler mehr, sie sind nur aufmerksam auf den Bundestag, welchen Herrn wir bekommen werden: den Oesterreicher, den Bayer, den Prinzen Christophel, oder ob uns der Städtebund, Augsburg und Aalen, Nürnberg und Bopfingen, regieren werde.«

»Welche Augen sie machen werden,« rief Georg lächelnd, »wenn der Stuhl schon besetzt ist, um welchen sie streiten!«