»So? als wemma et immer gnuag z'wäscha und z'putza hätt? So sag mer no, was ist denn in de g'fahra, daß de so strählst und schöa machst?«

»Ah was!« flüsterte das errötende Schwabenkind, »wisset Er denn net, daß heut der acht' Tag ist? Hot et der Aetti g'sait, der Junker werd' am heutiga Morga verwacha, wenn sei Tränkle guete Wirking häb? Und do hanne eba denkt –«

»Ist's um dui Zeit?« entgegnete die Hausfrau freundlicher. »Da host wärle reacht; wenn er verwacht und sieht älles so schluttich und schlampich, se ist's et guot und könnt Verdruß gä beim Aette. Ih sieh au aus wia na Drach. Gang, Bärbele, hol mer mei schwarz Wammes, mei rauts Miader und en frischa Schurz.«

»Aber Muater,« gab die Kleine zu bedenken, »Er wendt Uich doch et do atan wölla? Wenn der Junker jetzt no grad verwacha tät! Ganget lieber uffe und teant Uich droban a, i bleib derweil bei em.«

»Da host au reacht, Mädle,« murmelte die Alte, ließ selbst das Frühstück stehen und ging, um sich in ihren Putz zu werfen. Die Tochter aber öffnete das Fenster der frischen erquickenden Morgenluft, sie streute Futter auf den breiten Sims, viele Tauben und Sperlinge flogen heran und verzehrten mit Gurren und Zwitschern ihr Frühstück; die Lerchen in den Bäumen vor den Fenstern antworteten in einem vielstimmigen Chorus, und das schöne Mädchen sah, von der Morgensonne umstrahlt, lächelnd ihren kleinen Kostgängern zu.

In diesem Augenblick öffneten sich die Gardinen des Bettes, der Kopf eines schönen jungen Mannes sah heraus; wir kennen ihn, es ist Georg.

Ein leichtes Rot, der erste Bote wiederkehrender Gesundheit, lag auf seinen Wangen; sein Blick war wieder glänzend wie sonst, sein Arm stemmte sich kräftig auf das Lager. Erstaunt blickte er auf seine Umgebungen; dieses Zimmer, dieses Geräte waren ihm fremd, er selbst, seine ganze Lage kam ihm ungewohnt vor. Wer hatte ihm diese Binde um das Haupt gebunden? Wer hatte ihn in dieses Bett gelegt? Es war ihm wie einem, der mit fröhlichen Brüdern eine Nacht durchjubelt, die Besinnung endlich verloren hat und auf einem fremden Lager aufwacht.

Lange sah er dem Mädchen am Fenster zu; dieses Bild, das erste, das ihm bei seinem Erwachen aus langem Schlafe entgegentrat, war so freundlich, daß er das Auge nicht davon abwenden konnte; endlich siegte die Neugierde, über das, was mit ihm vorgegangen war, gewisser zu werden; er machte ein Geräusch, indem er die Gardinen des Bettes noch weiter zurückschlug.

Das Mädchen am Fenster schien zusammenzuschrecken; sie wandte sich um, über ein schönes Gesicht flog ein brennendes Rot, freundliche, blaue Augen staunten ihn an; ein roter, lächelnder Mund schien vergebens nach Worten zu suchen, den Kranken bei seiner Rückkehr ins Leben zu begrüßen. Sie faßte sich und eilte mit kurzen Schritten an das Bette, doch machte sie unterwegs mehreremal Halt, als besinne sie sich, ob er denn wirklich wieder aufgewacht sei, ob es sich auch schicke, daß sie zu ihm trete, da er jetzt wieder lebe wie ein anderer Mensch.