»Höret, Ihr gefallt mir, lieber Ketzer. Hört einmal, werdet auch rechtgläubig. Brauchet Ihr Geld? Könnet haben, soviel Ihr wollt, gegen ein Reverschen, zahlbar gleich nach Sicht. O! damit kann man einen köstlich in Verlegenheit bringen. Brauchet Ihr eine schöne, frische, reiche Frau? Ich habe eine Nichte, Ihr sollt sie haben. Brauchet Ihr Ehren und Würden? Ich will Euch pro primo den goldenen Sporenorden verschaffen. Es kann ihn zwar jeder Narr um einige Skudi kaufen – aber Ihr sollet ihn umsonst haben. Wollet Ihr in Eurer barbarischen Heimat große Ehrenstellen? Dürfet nur befehlen. Wir haben dort großen Einfluß, geheim und öffentlich. Na! was sagt Ihr dazu?«

»Der Vorschlag ist nicht übel,« erwiderte ich. »Ihr seid nobel in Euren Versprechungen. Ich glaube, Ihr könntet den Teufel selbst katholisch machen?«

»Anathema sit! anathema sit! Es wäre uns übrigens nicht schwer,« antwortete der Kardinal. »Wir können ihn von seinen zweitausendjährigen Sünden absolvieren und dann taufen. Ueberdies ist er ein dummer Kerl, der Teufel, und hat sich von der Kirche noch immer überlisten lassen!«

»Wisset Ihr das so gewiß?«

»Das will ich meinen. Zum Beispiel, kennt Ihr die Geschichte, die er mit einem Franziskaner gehabt?«

»Nein, ich bitte Euch, erzählet!«

»Ein Franziskaner zankte sich einmal mit ihm wegen einer armen Seele. Der Teufel wollte sie durchaus haben und hatte allerdings nach dem Maß ihrer Sünden das Recht dazu. Der Mönch aber wollte sie in majorem dei gloriam für den Himmel zustutzen. Da schlug endlich der Satan vor, sie wollen würfeln; wer die meisten Augen mit drei Würfeln werfe, solle die Seele haben. Der Teufel warf zuerst, und, wie er ein falscher Spieler ist, warf er achtzehn, er lachte den Franziskaner aus. Doch dieser ließ sich nicht irre machen. Er nahm die Würfel und warf – neunzehn. Und die Seele war sein.«

»Herr! das ist erlogen,« rief ich, »wie kann er mit drei Würfeln neunzehn werfen?«

»Ei, wer fragt nach Möglichkeit? Genug, er hat's getan, es war ein Wunder. Nun, kommet morgen in mein Haus, lieber Sohn, wir wollen dann den Unterricht beginnen.«

Er gab mir den Segen und wankte weiter. Nein, Freund Rocco! dachte ich. Eher bekomme ich dich als du mich. Von dir läßt sich der Satan nicht überlisten. Es trieb mich jetzt, nach dem Hause des Berliners zu gehen, den ich schwer verwundet verlassen hatte. Zu meiner großen Verwunderung sagte man mir, er sei ausgegangen und werde wohl vor Nacht nicht zurückkehren. So mußte ich den Gedanken aufgeben, heute noch zu erfahren, wie es ihm ergangen sei, wie das Fräulein sich befinde, ob er wohl Hoffnung habe, jetzt, da der Kapitän auf immer für sie verloren sei, sie für sich zu gewinnen. Es blieb mir keine Zeit, ihn heute noch zu sehen, denn den Abend über wußte ich ihn nicht zu finden, und auf die kommende Nacht hatte ich eine Zusammenkunft mit jenen kleineren Geistern verabredet, die als meine Diener die Welt durchstreifen.