2.
Trost für Liebende.
»Was war doch dies für ein sonderbarer Herr?« fragte ich meinen Nachbar, indem ich mich dicht an ihn anschloß. »Findet er wirklich bei den Damen so sehr Beifall, oder ist er ein wenig verrückt?«
»Ein Geck ist er, ein Narr!« rief der Seufzende, indem er mit dem Kopf aus den Schultern herausfuhr und die Arme umherwarf. »Ein alter Junggeselle von fünfundvierzig und spielt noch den ersten Liebhaber. Eitel, töricht, glaubt, jede Dame, die er aus seinen kleinen Aeuglein anblinzelt, sei in ihn verliebt, drängt sich überall an und ein –«
»Nun, da spielt dieser Graf Rebs eine lächerliche Rolle in der Gesellschaft, da wird er wohl überall verhöhnt und abgewiesen?«
»Ja, wenn die Damen dächten wie Sie, wertgeschätzter Herr! aber so lächerlich dieser Gnome ist, so töricht er sich überall gebärdet, so – o Rebekka! der Teufel hat die Weiberherzen gemacht.«
»Ei, ei!« sagte ich, indem ich schnell Nr. 45 aufschloß und den Verzweifelnden hineinschob, »ei! lieber Herr Zwerner, wer wird so arge Beschuldigungen ausstoßen? Und auf Fräulein Rebekka – setzen Sie sich doch gefälligst aufs Sofa – auf das Fräulein sollte er auch Eindruck gemacht haben, dieser Gliedermann?«
»Ach, nicht er, nicht er. Sie sieht, daß er lächerlich ist und geckenhaft, und doch kokettiert sie mit ihm. Nicht mit ihm, sondern mit seinem Titel. Es schmeichelt ihr, einen Grafen in ihrer Loge zu sehen oder auf der Promenade von ihm begrüßt zu werden, vielleicht wenn sie eine Christin wäre, hätte sie einen solideren Geschmack.«
»Wie, das Fräulein ist eine Jüdin?«