»Ja, es ist ein Judenfräulein. Ihr Vater ist der reiche Simon in der neuen Judenstraße. Das große gelbe Haus neben dem Herrn von Rothschild, und eine Million hat er, das ist ausgemacht.«
»Sie haben einen soliden Geschmack. Und wie ich aus dem Gespräch des Grafen bemerkt habe, können Sie sich einige Hoffnung machen?«
»Ja,« erwiderte er ärgerlich, »wenn nicht der Satan das Papierwesen erfunden hätte. So stehe ich immer zwischen Türe und Angel. Glaube ich heute einen festen Preis, ein sicheres Vermögen zu haben, um vor Herrn Simon treten und sagen zu können: ›Herr! wir wollen ein kleines Geschäft machen miteinander, ich bin das Haus Zwerner und Komp. aus Dessau, stehe so und so, wollen Sie mir Ihre Tochter geben?‹ Glaube ich nun, so sprechen zu können, so läßt auf einmal der Teufel die Metalliques um zwei, drei Prozent steigen, ich verliere, und meinem Schwiegerpapa, der daran gewinnt, steigt der Kamm um soviele Prozente höher, und an eine Verbindung ist dann nicht mehr zu denken.«
»Aber kann denn nicht der Fall eintreten, daß Sie gewinnen?«
»Ja, und dann bin ich so schlecht beraten wie zuvor. Herr Simon ist von der Gegenpartei. Gewinne ich nun durch das Sinken dieser oder jener Papiere, so verliert er ebensoviel, und dann ist nichts mit ihm anzufangen, denn er ist ein ausgemachter Narr und reif für das Tollhaus, wenn er verliert. Ach, und aus Rebekkchen, so gut sie sonst ist, guckt auf allen Seiten der jüdische Geldteufel heraus.«
»Wie? sollte es möglich sein, eine junge Dame sollte so sehr nach Geld sehen?«
»Da kennen Sie die Mädchen, wie sie heutzutage sind, schlecht,« erwiderte er seufzend. »Titel oder Geld, Geld oder Titel, das ist es, was sie wollen. Können sie sich durch einen Leutnant zur gnädigen Frau machen lassen, so ist er ihnen eben recht, hat ein Mann wie ich Geld, so wiegt dies den Adel zur Not auf, weil derselbe gewöhnlich keines hat.«
»Nun, ich denke aber, das Haus Zwerner und Komp. in Dessau hat Geld, woher also Ihr Zweifel an der Liebe des Fräuleins?«
»Ja, ja!« sagte er etwas freundlicher, »wir haben Geld, und soviel, um immer mit Anstand um eine Tochter des Herrn Simon zu freien, aber Sie kennen die Frankfurter Mädchen nicht, werter Herr! Ist von einem angenehmen, liebenswürdigen jungen Mann die Rede, so fragen sie: wie steht er? Steht er nun nicht nach allen Börsenregeln solid, so ist er in ihren Augen ein Subjekt, an das man nicht denken muß.«