Was schlich denn jetzt durch das Gras? Was hüpfte auf zierlichen Beinchen heran? Was lächelt schon von weitem so freundlich nach der Kalle des Herrn Simon? War es nicht das Gräfchen Rebs, das alte, freundliche Kaninchen, das in alle Damen verliebt ist und alle bezaubert? Er war es, er kam hereingeschwänzelt.

Er schnupfte und ächzte, als er herankam, und doch konnte er auch in dem Zustand höchster Erschöpfung, in welchem er zu sein schien, sein liebliches, süßes Lächeln nicht unterdrücken. Er warf sich ermattet neben Rebekka in einen Sessel, streckte die dünnen Beinchen, so mit zierlichen Spörnchen zum Spazierengehen beschlagen, heftete den matten, sterbenden Blick auf die schöne Jüdin und sprach: »Habe die Ehre, vergnügten Abend zu wünschen. Ich sterbe, mit mir geht's aus!«

»Mein Jott! Herr Israel! Graf Rebs, was haben Sie doch? Ihre Wangen sind janz einjeschnurrt, Ihre Augen bleiben stehen. Er antwortet nich! Herr Tipplomat, Eau de Cologne! Haben Sie keines bei sich in die Tasche?«

So rief das schöne Judenkind und beschäftigte sich um den Ohnmächtigen mit zarter Sorgfalt. Da ich kein Eau de Cologne bei mir trug, so begann sie etwas weniges verzweifeln zu wollen und verlangte von dem Dessauer, er solle ihm Tabaksrauch in die Nase blasen. Doch der Vater wußte bessern Rat: »Da geht einer,« rief er freudig, »da geht ein scharmanter junger Herr, ist in Kondition nicht weit von uns, der trägt beständig etzliches Kölner Wasser in seiner Rocktasche!«

Wie ein Pfeil schoß er auf den jungen Mann zu und war, als er ihm mit schrecklichen Gebärden das Eau de Cologne-Fläschchen abforderte, anzusehen wie Sir John Falstaff, als er die Krämer beraubt. Maria Farinas Lebenstropfen brachten das arme Kaninchen wieder zu sich. Er schlug die Augen auf, seufzte tief und lächelte. »Mich gehorsamst zu bedanken,« lispelte er mit zitternder Stimme, »für die gütigst geleistete Hilfe. War mir aber recht elend zu Mut. Fast als hätte ich mehr Bier getrunken als dienlich.«

»Sind Sie oft solchen Zufällen unterworfen?« fragte Rebekka, ihn etwas mißfällig betrachtend.

»Mit nichten und im Gegenteil,« erwiderte er, indem er den Rücken zierlich wendete und drehte, mit den Schultern über die Brust herausfuhr und mannhaft mit den Spörnchen klirrte. »Mit nichten, habe sonsten eine überaus starke Konstitution. Aber der dicke Pfarrer, der dicke Pfarrer …«

Die Juden schwiegen, und Rebekka schlug die Augen nieder wie immer, wenn von christlichen Pfarrern oder Zeremonien oder auch von Schweinefleisch in ihrer Nähe gesprochen wurde. Der Seufzer aber, dem die Erscheinung des Grafen etwas lästig schien, fragte ihn ziemlich boshaft, ob er etwa im goldenen Brunnen gewesen, sich allda etwas betrunken und nachher mit dem ehrsamen Pastor Münster Streit und kirchlichen Skandal angefangen, nach seiner Gewohnheit?