»Aber England, Alt-England! Ich bitte Sie,« rief der Lord schmerzlich. »Ihr Frankreich, Ihr Deutschland hat von jeher nach jeder Pfeife tanzen müssen! Aber, Goddam! das englische Ministerium mit diesem Hepphepp einen Cosaque tanzen zu sehen! O! es ist schmerzlich!«
»Ja, ja!« sprach Baron von Garnmacher, des Schneiders Sohn, sehr ruhig. »Es wird und muß so kommen. Freilich, ein bedeutender Unterschied zwischen 1826 und der Zeit des Königs David!«
»Das finde ich nicht,« antwortete der Marquis, »im Gegenteil, Sie sehen ja, welch großen Einfluß die Juden auf die Zeit gewinnen!«
»Und dennoch finde ich einen bedeutenden Unterschied,« erwiderte der Deutsche. »Damals, mein Herr, hatten alle Juden nur einen König, jetzt haben aber alle Könige nur einen Juden.«
»Wenn Sie so wollen, ja. Aber neugierig bin ich doch, was für eine Szene uns der Teufel jetzt geben wird. Ich wollte wetten, Frankreich oder Italien kommt ans Brett.«
»Ich denke, Deutschland,« erwiderte Garnmacher. »Ich wenigstens möchte wohl wissen, wie es im Jahr 1826 oder 1830 in Deutschland sein wird. Als ich die Erde verließ, war die Konstellation sonderbar. Es roch in meinem Vaterlande wie in einer Pulverkammer, bevor sie in die Luft fliegt. Die Lunte glühte, und man roch sie allerorten. Die feinsten diplomatischen Nasen machten sich weit und lang, um diesen geheimnisvollen Duft einzuziehen und zu erraten, woher der Wind komme. Meinen Sie nicht auch, es müsse bedeutende Veränderungen geben?«
»Es wird heißen: Auch in diesem Jahre ist es geblieben, wie es war,« antwortete ich dem guten Deutschen. »Um eine Lunte auszulöschen, bedarf es keiner großen Künste. Man wird bleiben, wie man war, man wird höchstens um einige Prozente weiser vom Rathaus kommen. Sie wollen Ihr Vaterland in Szene gesetzt sehen, um zu erfahren, wie es Anno 1826 dort aussieht? Armer Herr, da müßte ich ja zuvor noch fragen, was für ein Landsmann Sie sind?«
»Wie verstehen Sie das?« fragte der Baron unmutig.
»Nun? Was könnte man Ihnen denn Allgemeines und Nationales vorspielen, da Sie keine Nation sind? Sind Sie ein Bayer, so müßte man Ihnen zeigen, wie man dort noch immer das alte ehrliche Bier, nur nach neuen Rezepten braut. Sind Sie ein Württemberger, so könnten Sie erfahren, wie man die Landstände wählte. Sind Sie ein Rheinpreuße, und drückt Sie der Schuh, so lassen Sie den eigenen Fuß operieren, denn an dem Normalschuh darf nichts geändert werden. Sind Sie ein Hesse, so trinken Sie ganz ruhig Ihren Doppelkümmel zum Butterbrot, aber denken Sie nichts, nicht einmal, ob es in der letzten Woche schön war und in der nächsten regnen wird. Sind Sie ein Brandenburger, so machen Sie, daß Ihnen die Haare zu Berge stehen, und hungern Sie, bis Sie eine schöne Taille bekommen – –«