»Und denke dir,« flüsterte sie ihrer Nachbarin zu, »heute in aller Frühe ist er mit seiner Schwadron vorbeigeritten, und unter meinem Fenster haben die Trompeter den Galoppwalzer von letzthin anfangen müssen.«

»Du Glückliche!« antwortete das andere Fräulein, »und hat Mama nichts gemerkt?«

»So wenig als letzthin, wo er mich im Kotillon fünfmal aufzog. Was ich damals in Verlegenheit kam, kannst du gar nicht glauben. Ich war mit dem …schen Attaché engagiert, und du weißt, wie unerträglich mich dieser dürre Mensch verfolgt. Er hatte schon wieder von den italienischen Gegenden Süddeutschlands angefangen und mir nicht undeutlich zu verstehen gegeben, daß sie noch schöner wären, wenn ich mit ihm dorthin zöge; da erlöste mich der liebe Fladorp aus dieser Pein. Doch kaum hatte er mich wieder zurückgebracht, als der Unerträgliche sein altes Lied von neuem anstimmte, aber Eduard holte mich noch viermal aus seinen glänzendsten Phrasen heraus, so daß jener vor Wut ganz stumm war, als ich das letzte Mal zurückkam. Er äußerte gegen Mama seine Unzufriedenheit; sie schien ihn aber nicht zu verstehen.«

»Ach, wie glücklich du bist,« entgegnete wehmütig die Nachbarin, »aber ich! Weißt du schon, daß mein Dagobert nach Halle versetzt ist? Wie wird es mir ergehen!«

»Ich weiß es und bedaure dich von Herzen, aber sage mir doch, wie dies so schnell kam?«

»Ach!« antwortete das Fräulein und zerdrückte heimlich eine Träne im Auge. »Ach, du hast keine Vorstellung von den Kabalen, die es im Leben gibt. Du weißt, wie eifrig Dagobert immer für das Wohl des Vaterlandes war. Da hatte er nun einen neuen Zapfenstreich erfunden, er hat ihn mir auf der Fensterscheibe vorgespielt, er ist schön. Seinem Obersten gefiel er auch recht wohl, aber dieser wollte haben, er solle ihm die Ehre der Erfindung lassen. Natürlich konnte Dagobert dies nicht tun, und, darüber aufgebracht, ruhte der Oberst nicht eher, bis der Arme nach Halle versetzt worden ist. Ach, du kannst dir gar nicht denken, wie wehmütig mir ums Herz ist, wenn der Zapfenstreich an meinem Fenster vorbeikommt, sie spielen ihn alle Abend nach der neuen Erfindung, und der, welcher ihn machte, kann ihn nicht hören!«

»Ich bedaure dich recht. Aber weißt du auch schon etwas ganz Neues? Daß sie bei der Garde andere Uniform bekommen?«

»Ist's möglich? O sage, wie denn? Woher weißt du es?«

»Höre, aber im engsten Vertrauen, denn es ist noch tiefes, tiefes Geheimnis. Eduard hat es von seinem Obersten und gestand mir es neulich, aber unter dem Siegel der tiefsten Verschwiegenheit. Sieh, die Knöpfe werden auf der Brust weiter auseinandergesetzt und laufen weiter unten enger zu, auf diese Art wird die Taille noch viel schlanker, dann sollen sie auch goldene Achselschnüre bekommen, das weiß aber der Oberst und ich glaube selbst der General noch nicht ganz gewiß; auch an den Beinkleidern geschehen Veränderungen. – Eduard muß aussehen wie ein Engel – siehe, bisher …«