»Haben Sie nicht immer das verdammte Spiel: ›Der Chevalier de Papillot‹, von vorn bis hinten ohne Anstoß behalten können? Und ich! Wenn ich am herrlichsten frisiert und gebrannt war, so wurde das dumme »Chevalier de Papillot a une papillote« gespielt, meine Frisur ging zum Teufel, denn ich konnte den französischen Sermon nicht behalten und bekam den ganzen Kopf voll Papilloten. Aber Sie! Hatten Sie den ganzen Abend nichts getan, als an einer Tür gestanden und finster in die Zimmer geblickt, so gab es doch Leute, die Sie sehr interessant fanden. Jetzt verlassen Sie sogar die Welt, werden melancholisch; ich wollte wetten, wenn ich es geworden wäre, man hätte gelacht, und Sie werden bemitleidet, zurückgesehnt; es gibt sogar junge Damen, die ganz offen den Fächer vor das linke Auge halten, wenn von Ihnen gesprochen wird.«

»Den Fächer vor das linke Auge halten? Wozu denn, was soll es denn bedeuten?«

»Sie wissen nicht einmal dieses Zeichen der trauernden Liebe? Das ist das Neueste, was man hier in der Liebessprache kennt; das heißt à la Jocko trauern.«

»À la Jocko trauern!« rief ich. »Wer trauert denn mit der Windfuchtel vor dem linken Auge um mich?«

»Gehen Sie, das wissen Sie nur zu gut; Oberhofmeisters Trinettchen ist ganz melancholisch geworden. Auf Ehre, ich sah sie zweimal à la Jocko trauern. Ist das nicht rührend?«

»Was werden Sie heute mit Ihrem Tag anfangen?« fragte ich, um mir das Erröten über die trauernde Jocko zu ersparen. »Wo werden Sie speisen? Werden Sie ins Theater gehen?«

»Speisen?« sagte er wehmütig lächelnd. »Speisen! Ich lebe gegenwärtig wie ein Klausner. Denken Sie sich mein Unglück!«

Ich war begierig; sollte ihn etwa auch eine Tante enterbt haben, war er vielleicht auf halben Sold gesetzt wie ich? Er schien bekümmert, geheimnisvoll.

»Denken Sie sich mein Unglück! Schon seit einiger Zeit bemerkte ich, daß mir meine Röcke und Westen nicht mehr recht passen wollten. Ich nahm daher das vormalige Maß meiner Taille (mein Schneider in Frankfurt und ich haben jeder ein Exemplar, und zwar aus Draht geflochten, daß es sich nicht verzieht); ich nehme es, lege es um, und o Schrecken! ich bin seit einem Vierteljahr um zwei Daumen breit stärker geworden! Ich war außer mir, ich wütete, ich war nahe daran, Hand an mich selbst zu legen. Ich entdeckte mich dem jungen Baron F.; Sie kennen seinen herrlichen Wuchs, er tröstete mich, er gab mir Mittel.«

»Nun, in was bestehen diese?«