Das war nun ein verzweifelter Haken; Sorben hatte sich vorgestellt, der Alte werde bei einer Gräfin Aarstein sogleich mit beiden Händen zugreifen und sie dem Herrn Neveu als Frau Gemahlin präsentieren ohne weitere Speranzien; wahrhaftig, man mußte im Norden noch weit, sehr weit in der Kultur zurück sein, daß man von einer Heirat nach Liebe sprechen konnte; doch der Karren war schon einmal verfahren und konnte auf dieser Seite nicht mehr herausgehaudert werden, der alte Herr von Sorben dachte also: »Vogue la galère, der alte Narr muß wollen!« machte gute Miene zum bösen Spiel und sagte dem Staatssekretär und der Gräfin, der alte Martiniz sei vollkommen damit einverstanden. Ein böses Gewissen behielt er aber bei der Sache noch immer; wenn ja das Gräfchen Goldfischchen doch nicht anbeißen mochte – nein! Er konnte den Gedanken nicht ausdenken, er wäre ja um Ehre und Reputation gekommen, denn auf seine Nachricht von dem alten Grafen hin hatte man sich nicht mehr geniert und von der Verbindung, als von etwas, das sich von selbst verstünde, überall gesprochen.
Wie jetzt die Sachen standen, ging ihm das Wasser bis an die Kehle, und die fatale Querfrage der Gräfin: »Was schreibt sein Onkel?« hätte ihn beinahe aus aller Kontenance gebracht. Doch er faßte sich und antwortete mit der heitersten Miene von der Welt: »Der ist, wie ich schon oft gesagt habe, durchaus damit einverstanden, und diese Verbindung liegt ganz in seinen Wünsch–«
»Wie? Ganz in seinen Wünschen? Damit einverstanden? – Das sind nicht die Ausdrücke, die Sie mir früher sagten; erinnern Sie sich, Sie sagten mir, er schreibe, er sei von selbst auf den Gedanken gekommen, daß sein Neffe mich –«
Höllenangst, Höllenpein nagte in Sorbens Brust; nein! wenn er kompromittiert würde! Doch da galt kein Besinnen mehr. »Vollkommen damit einverstanden, meine Gnädige, so vollkommen, sage ich, daß er selbst zuerst auf den glücklichen Gedanken kam.«
»Nun, was wollen wir weiter?« fuhr die Gräfin ruhig fort. »Mein Gräfchen wird nicht das ungehorsame Söhnchen spielen wollen, denn die drei Milliönchen, die er von dem Onkel erben soll und die, wie Sie mir sagen, wegfallen, wenn er mich nicht –«
Sorben schnitt greuliche Gesichter; es war ihm, als sollten ihm die hellen Tränen hervorstürzen, daß er sich so dumm verplaudert hatte, und dennoch sollte er lächeln und freundlich sein, er grinste daher furchtbar wie einer, der Asa foetida oder recht bitteres Salzkonfekt im Mund hat und doch zuckerhonigsüß dabei aussehen will.
Das Unkraut wächst.
Der Rittmeister hatte bis jetzt noch kein Wort gesprochen; aber die Miene des alten Fuchses mochte ihm doch nicht so ganz spaßhaft vorkommen, als sie aussehen sollte. »Mir scheint es, als dürfe man die Sache nicht nur so gehen lassen, wie sie geht, und am Ende warten, ob der Graf gehorsam sein will oder nicht, denn hole mich der – verzeihen Sie, gnädige Gräfin – wenn ich selbst drei Millionen hätte, wie der Goldfisch, der jetzt in Freilingen vor Anker liegt, so täte ich nach meinem Sinn, und nicht wie mein alter Oheim wollte.«