»Hattest du bange?« lachten die Reiter den Rittmeister an.

»Nicht im geringsten,« replizierte dieser; »ich kenne mein Täubchen zu gut, als daß ich hätte eifersüchtig werden sollen; wenn auch zehn solche Wichte ins Nest gesessen wären, sie hätte sich doch von keinem andern schnäbeln lassen als von ihrem Hähnchen.«

Allgemeines Gelächter applaudierte den schlechten Witz. Der Graf – es war ihm kaum mehr möglich, anzuhalten; er sah voraus, es werde so kommen, daß ihm nur zwei Wege offen stehen würden, entweder sich zu entfernen oder loszubrechen.


Unschuld und Mut.

Das erstere war jetzt nicht mehr möglich; seine Würde als Abkömmling so tapferer Männer ließ einen solchen Rückzug nicht zu, und was würden seine Ulanen gesagt haben, wenn er so vom Kampfplatz sich weggestohlen hätte? Die nächste schicklichste Gelegenheit mußte entscheiden.

»Nun, Brüderchen,« sagte ein anderer zum Rittmeister, »wir sind hier so ziemlich unter uns, gib weich, beichte uns ein wenig, wie stehst du mit der kleinen Präsidentin?« Der Rittmeister spielte von Anfang den Zarten, Zurückhaltenden, endlich aber auf vieles Zureden gab er wirklich weich und – rühmte sich heimlich von ihr erhaltener Begünstigungen, die Emils Blut zu Eis erstarren ließen. Plötzlich aber, wie eine Erleuchtung von oben, trat ihm das Bild des unschuldigen, engelreinen Kindes, mit ihrem sanften Blick, mit ihrem keuschen, jungfräulichen Erröten vor das Auge – nein! nein! rief es mit tausend Stimmen in ihm, es kann ja nicht wahr sein, so weit verfehlt sich der Himmel nicht, daß er die heiligste Unschuld auf die Züge einer Metze malte. Er stand auf und stellte sich dicht vor den Rittmeister. »Von wem sprechen Sie da, mein Herr?« fragte er ihn. Der Rittmeister konnte sich nichts Erwünschteres denken, als daß endlich die Engelsgeduld von dem zivilen Gräfchen gewichen sei. Er wollte ihn mit einem Blick einschüchtern und setzte daher an, die Augen recht an ihn hinrollen zu lassen; da kam er aber an den Falschen.

Er begegnete einem jener Glutblicke, die dem Grafen so eigen waren; Hoheit, Mut, Zorn, alles sprühte auf einmal wie mit einem Feuerstrom aus diesen Augen auf ihn zu, daß er die seinigen betroffen niederschlug. »Was fällt Ihnen ein? Was kümmert Sie unser Gespräch? Es ist hier niemand, der danach zu fragen hätte.«

»Sie haben,« fuhr der Graf mit großer Mäßigung fort, »Sie haben dem ganzen Zimmer hier mit vernehmlicher Stimme Ihre Sottisen erzählt, es hat also auch jeder das Recht zu fragen, von wem Sie sprachen, und ich frage jetzt!«

»Mein Herr, das kommt mir schnackisch vor,« lachte der Rittmeister; »es kann doch wahrhaftig jeder von seinem Schätzchen reden, ohne daß ein anderer sich darein zu legen hätte. Wenn Sie übrigens durchaus uns mit Ihrer Gesellschaft beehren wollen – Kellner, noch einen Kelch hierher für den Herrn da!«