»Jetzt?« rief der Jüngling mit Schrecken. »Jetzt um keinen Preis, da würde mich der Doktor prügeln; ich muß eilen, daß ich nach Hause komme.«
»Was trägst du denn in diesem Korb?« fragte jener, indem er ihn zurückhielt. Almansor errötete und wollte es anfangs nicht zeigen, endlich aber sagte er: »Siehe, Petit-Caporal, ich muß hier Dienste tun wie der geringste Sklave meines Vaters. Der Doktor ist ein geiziger Mann und schickt mich alle Tage von unserm Hause eine Stunde weit auf den Gemüse- und Fischmarkt; da muß ich dann unter den schmutzigen Marktweibern einkaufen, weil es dort um einige Kupfermünzen wohlfeiler ist als in unserm Stadtteil. Siehe, wegen dieses schlechten Herings, wegen dieser Handvoll Salat, wegen dieses Stückchens Butter muß ich alle Tage zwei Stunden gehen. Ach, wenn es mein Vater wüßte!«
Der Mann, zu welchem Almansor dies sprach, war gerührt über die Not des Knaben und antwortete: »Komm nur mit mir und sei getrost; der Doktor soll dir nichts anhaben dürfen, wenn er auch heute weder Hering noch Salat verspeist. Sei getrosten Mutes und komm.« Er nahm bei diesen Worten Almansor bei der Hand und führte ihn mit sich, und obgleich diesem das Herz pochte, wenn er an den Doktor dachte, so lag doch so viele Zuversicht in den Worten und Mienen des Mannes, daß er sich entschloß, ihm zu folgen. Er ging also, sein Körbchen am Arm, neben dem Soldaten viele Straßen durch, und wunderbar wollte es ihm bedünken, daß alle Leute die Hüte vor ihnen abnahmen und stehen blieben und ihnen nachschauten. Er äußerte dies auch gegen seinen Begleiter; dieser aber lachte und sagte nichts darüber.
Sie gelangten endlich an ein prachtvolles Schloß, auf welches der Mann zuging. »Wohnst du hier, Petit-Caporal?« fragte Almansor.
»Hier ist meine Wohnung,« entgegnete jener, »und ich will dich zu meiner Frau führen.«
»Ei, da wohnst du schön!« fuhr Almansor fort, »gewiß hat dir der Sultan hier freie Wohnung gegeben?«
»Diese Wohnung habe ich vom Kaiser, du hast recht;« antwortete sein Begleiter und führte ihn in das Schloß. Dort stiegen sie eine breite Treppe hinan, und in einem schönen Saal hieß er ihn seinen Korb absetzen und trat dann mit ihm in ein prachtvolles Gemach, wo eine Frau auf einem Diwan saß. Der Mann sprach mit ihr in einer fremden Sprache, worauf sie beide nicht wenig lachten, und die Frau fragte dann Almansor in fränkischer Sprache vieles über Aegypten. Endlich sagte Petit-Caporal zu dem Jüngling: »Weißt du, was das beste ist? Ich will dich gleich selbst zum Kaiser führen und bei ihm für dich sprechen.«
Almansor erschrak sehr, aber er gedachte an sein Elend und seine Heimat. »Dem Unglücklichen,« sprach er zu den beiden, »dem Unglücklichen verleiht Allah einen hohen Mut in der Stunde der Not, er wird auch mich armen Knaben nicht verlassen. Ich will es tun, ich will zu ihm gehen. Aber sage, Caporal, muß ich vor ihm niederfallen, muß ich die Stirne mit dem Boden berühren, was muß ich tun?«
Die beiden lachten von neuem und versicherten, dies alles sei nicht nötig.
»Sieht er schrecklich und majestätisch aus, der Sultan?« fragte er weiter, »hat er einen langen Bart? Macht er feurige Augen? Sage, wie sieht er aus?«