Der Grund und Boden hat ein mannichfaltiges Aeußere und eine unbegränzte Fruchtbarkeit. Das große Becken der Seen besteht aus Ebenen und sanft ansteigendem Hügelland, abwechselnd begränzt und unterbrochen durch hohe steile Vulcane, und bietet alle Produkte der Tropenländer im reichsten Maße dar. Die nördlichen Departements Segovia und Choutales sind höher gelegen, gebirgiger, besitzen einen Ueberfluß an Metallen und bringen eine Menge Früchte der gemäßigten Zone hervor; die Temperatur ist vergleichsweise kühl und frisch.

Die atlantische oder, wie sie zumeist genannt wird, Mosquito-Küste ist im ganzen flach, der fast das ganze Jahr sich ergießende Regen höchst beschwerlich, die Atmosphäre drückend heiß und weniger zuträglich als in andern Theilen des Staates. Die ziemlich dünne Bevölkerung besteht aus Indianern vom Stamm der Charibs, entlaufenen Negern von den westindischen Inseln und einer Mischlingsrace zwischen beiden. Der größte Theil der Bevölkerung von Nicaragua jedoch bewohnt den Abhang gegen den stillen Ocean hin. Hier ist der Boden nicht nur überaus fruchtbar und leicht zu bearbeiten, sondern auch das Klima unendlich gesünder und angenehmer. Es giebt hier nur zwei Jahreszeiten: die Regenzeit, von Mitte Mai's bis Mitte Novembers, und die trockene, während welcher sehr selten Regen fällt. Die Temperatur ist ziemlich gleichmäßig, etwa zwischen 70 und 82° Fahrenheit, und schwerlich dürfte sich eines der Tropenländer eines angenehmeren Klima's, einer günstigeren Lage zu erfreuen haben.

Der Staat Nicaragua ist in fünf Departements eingetheilt und hat, trotz seiner großen Ausdehnung, eine Bevölkerung von nur 250,000 Einwohnern, die jedoch hauptsächlich die Städte bewohnen. Die Hauptstadt und der Sitz der Regierung ist Leon, mit 25 bis 30,000 Seelen; die zweite Masaya, eine fast durchaus indianische Stadt, bemerkenswerth durch ihre Manufacturen, die dritte Granada, am See von Nicaragua, durch welche ein großer Theil des Verkehrs des Landes über den See und den Fluß St. Juan geht, mit 12 bis 14,000 Einwohnern. Außerdem sind Managua, Sitz der gesetzgebenden Versammlung, und Rivas schon ziemlich bedeutende Plätze.

Der nichtindianische Theil der Bevölkerung stammt von den ersten spanischen Eroberern her, und ist an Sitte und Charakter seinem Stammblut ziemlich treu geblieben. Ein näheres Eingehen hierauf behalte ich mir noch einer persönlichen Bekanntschaft mit den edlen Dons und Sennores vor.

Der bedeutendste Hafen am stillen Ocean ist der von Realejo, zwischen welchem und St. Francisco sich bereits ein lebhafter Verkehr entwickelt. Zweifelsohne wird Central-Amerika binnen Kurzem für Californien und das Oregon-Gebiet was die westindischen Inseln für die Union waren. Zucker, Tabak, Reis, Cacao, Baumwolle, Indigo, Mais und fast alle tropischen Früchte sind in Nicaragua in bester Art wie im größten Ueberfluß zu finden, und bieten Millionen fleißiger Menschen noch reichliche Quellen des Lebensunterhaltes dar. Eine ungeheure Anzahl von Hornvieh ist vorhanden, und Häute, Indigo, Kaffee und kostbare Nutzhölzer bilden den Haupt-Export.

Die Verfassung von Nicaragua ist entschieden liberal, und die freundschaftlichsten Gesinnungen für die Vereinigten Staaten überall und durch alle Classen der Bevölkerung vorherrschend; überall sprechen sich Güte und Gastfreundlichkeit aus. Die Regierung besteht aus einem obersten Director, alljährlich wählbar, einem Haus der Repräsentanten und einem Senat, letzterer für zwei Jahre, ersteres für ein Jahr wählbar. Die ersten Staatsbeamten in San Salvador und Honduras sind Präsidenten benannt.

Seit der Eroberung von Californien ist der Plan für Eröffnung einer directen Canalverbindung zwischen dem atlantischen und stillen Ocean, über San Juan und den See von Nicaragua, nicht nur erneuert worden, sondern man hat sich auch ernstlich mit seiner praktischen Ausführbarkeit beschäftigt; eine große Menge Contracte sind bereits darüber aufgesetzt worden, leider aber noch keine Resultate erfolgt.

General Taylor war sofort nach seiner Präsidentenwahl auf das Lebhafteste mit diesem wichtigen Unternehmen beschäftigt, und eine der ersten Handlungen seiner Verwaltungsperiode war die Absendung einer Spezial-Gesandtschaft in der Person des Hrn. Squier nach Nicaragua, mit Vollmacht in Unterhandlung mit diesem Staat zu treten. Eine Compagnie bildete sich in New-York unter dem Namen: The American Antlantic and Pacific Canal Company im August 1849, und im folgenden September unterzeichneten Hr. Squier und die Bevollmächtigten von Nicaragua den (am 27. d. M. auch von der Regierung dieses Staates ratificirten) Vertrag, welcher die Neutralität dieses Canals, freien Durchgang jedes amerikanischen Bürgers und seines Eigenthums durch denselben für ewige Zeiten garantirt, ingleichen die unbeschränkte Freiheit aller Häfen des Landes, und selbige Bestimmungen sollten auf alle Nationen, welche später dem Vertrag beitreten wollten, ausgedehnt werden.

Dieser Vertrag wurde vom General Taylor geprüft und dem Senat der Vereinigten Staaten zur Ratificirung übersendet; es ist jedoch bis jetzt nichts weiter in dieser Sache gethan worden. Ebenso erfolglos ist ein später zwischen Hrn. Clayton, Staatssecretär der Vereinigten Staaten, und Sir Henry Bulwer, Gesandten Ihrer großbritannischen Majestät, entworfener Vertrag zum Zweck der Zusicherung gegenseitigen Schutzes beider Nationen für jeden Communicationsweg, welcher je über diesen Continent eröffnet werden wird, geblieben, und hier mag wohl das Haupthinderniß in den Territorial-Ansprüchen liegen, welche England unter dem Namen eines Protectorats auf das Reich des ziemlich imaginären Mosquito-Königs, und mithin auf die in dessen Gränzen gelegenen Mündung des San Juan, erhebt.

Was nun aber die Hauptsache, d. h. den projectirten Canal selbst betrifft, so würde nach der Schätzung des Hn. Squier, laut officiellem Bericht an das Staatsdepartement, die ganze Länge der vorgeschlagenen Wasserlinie betragen: