a)Länge des San Juan-River90Miles,
b)Länge des zu passirenden Theils des Sees von Nicaragua110"
c)Länge des Tipitapa-River18"
d)Länge des Sees von Managua50"
e)Vom See nach Realejo45"
313Miles,

oder nach Wegfall der 160 Miles sub b und d – 153 Miles eigentlicher Fluß- und Canalfahrt. Aber auch von dieser Summe würden noch 25 Miles wegfallen, wenn man die Canalmündung nach Tamarinda verlegte. Einige andere Projecte lasse ich unerwähnt.

Schon vor dem Jahr 1838 hatte Herr Bailey, englischer Officier in Halbsold, im Auftrag der central-amerikanischen Regierung einen ähnlichen Plan ausgearbeitet, und dessen Kosten auf 20 bis 25 Millionen Dollars veranschlagt – eine Summe, welche, der Wichtigkeit und Großartigkeit dieses Unternehmens gegenüber, nur gering erscheint, und deren Aufbringen, wenn nur erst obige Hindernisse beseitigt wären, gewiß keine so große Mühe erheischen würde. Geschieht dies aber, so verwirklichen sich nach drei und einem halben Jahrhundert die Plane, welche unausgesetzt den Geist eines der größten Männer seines Jahrhunderts, Christoph Columbus, beschäftigen, deren Ausführung sein Leben geweiht war, und an deren Verwirklichung er noch in seinen letzten Jahren gearbeitet.

II.
Abreise von New-York. – Die Brig Rogelin. – Ansicht von Haiti. – Eintritt in die Wendekreise. – Unbewohnte Insel. – Mosquitoküste. – San Juan di Nicaragua. – Deutsches Gasthaus. – Lebensweise.

San Juan de Nicaragua, 19. Jun. 1851.

Am 28. Mai 1851 früh 9 Uhr lichtete die Brig Rogelin die Anker, und mit einer leichten Südsüdwest-Brise glitten wir den Hudson hinab über die Bay von New-York. Das Land, das bei seinem ersten Anblick solch angenehmen Eindruck auf mich gemacht, dünkte mir jetzt, beim Scheiden auf unbestimmte Zeit, noch einmal so lieblich. Die freundlichen Ufer von New-Jersey, der Castle-Garden, dessen Bäume sich eben mit dem frischen Frühjahrsgrün geschmückt hatten, Staten-Island mit seinen reizenden Landhäusern, wo ich noch den letzten Tag in Gesellschaft von Freund Schmidt und seiner lieben Familie verlebt – alles schien mir ein freundliches Lebewohl zuzurufen, und als das schöne Glockenspiel von Trinity-Church aus der Ferne herüber klang in wohlbekannter Weise, war mir's als ob »der Freund des Freundes Hand noch wärmer drückt, wenn er sie lassen soll.«

Unsere Brig war just nicht größer als nöthig um auf der See nicht zu sehr beengt zu sein; Passagiere waren außer mir nur einer, Hr. D., welcher nach Segovia zurückkehrte, wo er mit einem Compagnon eine Silbermine betreibt, unser Capitain, ein gemüthlicher Neu-Engländer, beides Leute mit denen es sich gut einige Wochen aushalten ließ, mithin keine schlimmen Aussichten. Das einzige Ungemach das ich zu leiden hatte, war eine sehr kurze bewegte See, die mich während 36 Stunden recht unangenehm seekrank machte, nachdem ich aber recht weidlich H. Ulrich um Hülfe angeschrieen, kehrte mein Wohlbefinden zurück, und hat mich bis zur Landung nicht verlassen.

Am 1. Junius durchschnitten wir den Golfstrom mit Nordost, und befanden uns schon am 4. südlich vom Cap Henry, doch hielten uns von da widrige Winde und Windstille auf bis zum 11. Morgens, wo uns ein heftiger Südost-Sturm bei Turks-Island, bekannt durch seine Salzfabrication, in den Handkerchief-Paß der westindischen Inseln trieb. Um Mitternacht war östlich abermals Land sichtbar, und bei Sonnenaufgang waren wir in Sicht der Nordwestspitze von Haiti – eine Ansicht von langgestreckten Berglinien, unterbrochen von einigen Spitzen, ähnlich den Bergen am Lake Champlain und in Böhmen. So weit durch das Glas erkennbar, waren die Berge mit kurzem Gesträuch bedeckt, hie und da Gruppen von großen Bäumen, stellenweise felsiges Gestein, am Fuß der Berge ein langer flacher Landstrich, theils Sand, theils mit Gebüsch bedeckt, bewohnte Plätze nirgend sichtbar.

Am 12. Jun. waren wir westlich vom Cap Donna Maria, welches mit hohen schönen Gebirgen bedeckt ist, deren höchste Spitze, gegen 6000 Fuß, ganz in Gewitter eingehüllt war.

Mit dem Eintritt in die Wendekreise eröffnet sich dem beobachtenden Freund der Natur eine neue Welt. Die bekannten Sternbilder des heimathlichen nordischen Himmels verschwinden allgemach, und neue fremde Sterne strahlen herab aus dem tiefblauen Aether. Die senkrecht herabfallenden Sonnenstrahlen brennen heiß auf den Scheitel, während der Schatten des Haupthaares sich auf den Füßen zeichnet, und die so beleuchteten Gegenstände mit ihren scharfen Reflexen ein seltsames fremdartiges Ansehen erhalten. Das Meer bedeckt sich des Morgens und Abends mit einem schweren Dunst, und die Sonne sinkt als ein dunkelglühender Feuerball hinab. Fremdartig gestaltete Seevögel lugen neugierig nach dem einsamen Segler, und lassen sich oft auf den Raaen des Schiffes nieder. Schlafende Riesenschildkröten sonnen sich träg in der Mittagshitze, bis Schaaren fliegender Fische, verfolgt von ihrem grimmen Feind, dem Delphin, sich mit großem Geräusch über das Wasser erheben und bald wieder in dasselbe zurückfallen, während des Menschen Feind, der gefräßige Hai, dem Lauf des Schiffes folgt, sein Opfer zu erspähen. Die dunstige Atmosphäre giebt den fernen Gebirgen eine zarte violettgraue Farbe, ist aber auch Ursache, daß diese Küstenstriche fieberisch und ungesund sind.