Mein erster ging über den Bergrücken, welcher Granada von Rivas trennt, nach einer Hacienda des Don Emanuel B.........., die mir als eine der vorzüglichsten geschildert worden war, sowohl für den Kaffee- und Cacaobau, wie für Erzeugung des Indigo, mir also die beste Gelegenheit bot, mich über den Betrieb des hiesigen Landbaues zu unterrichten. Ich war in Begleitung eines so gebildeten wie liebenswürdigen jungen Mannes aus Granada, Don Jose S.... Unser Weg führte theils durch herrliche Wälder, theils durch angebautes Land, dessen Hauptproducte Indigo, Mais und Bananen sind.

Ziemlich auf der Höhe eines kleinen Gebirgsrückens, etwa 8 Miles von Granada, hatte ich die Freude, die Ueberreste eines wahrscheinlich aztekischen Idols aufzufinden; obgleich nur aus geringem und weichem Material gearbeitet und arg mitgenommen von der Witterung, wie von der Zerstörungslust der Maulthiertreiber, die im Vorbeiziehen gern einen Streich mit der Macheta (lange, schwertartige Messer, die zugleich als Waffe und als einziges Hau- und Schneidewerkzeug dienen) gleich einem alten Sündenbocke danach führen, zeigte es doch noch deutlich die nicht unschönen Proportionen und auffallende Aehnlichkeit mit den flachstirnigen Physiognomien mexicanischer Monumente.

Mehrfach bemerkte ich unterwegs einen merkwürdig lauten Hall des Hufschlages unserer Pferde, entweder von den Lavafeldern herrührend, über die sich die wunderbar üppige Vegetation dieses Himmelsstriches gebreitet, oder vielleicht auch von vulkanischen Höhlungen, die der Erdoberfläche ziemlich nahe liegen. Ich habe bis jetzt noch nirgends eine so bedeutende Verstärkung und Weitertragung des Schalles vernommen wie hier, am auffallendsten aber bei Besteigung eines etwa 10 Miles von Granada liegenden Berges, der eine entzückende Fernsicht von den Gebirgen von Leon bis hinab nach St. Carlos bietet und wo ich, zufällig am Boden liegend, ganz deutlich Trommeln und Musik aus Granada vernahm, während man stehend nichts davon hören konnte.

Rings um den Mombatch, den Hauptstock des Gebirges von Granada, dessen eingestürzter, gewaltiger Krater von allen Seiten die malerischesten Umrisse bietet, erheben sich eine Menge größerer und kleinerer Hügel, theils noch jetzt fortwachsend, getrieben von der Gewalt des unterirdischen Feuers, das einen derselben in den letzten vier Jahren über 30' gehoben hat, vielleicht aber doch nicht mehr Kraft genug besitzt, um noch kleinere Nebenkrater zu bilden, wie sie sonst bei Vulkanen mehr oder minder vorkommen.

Auf der erwähnten Hacienda, die wir gegen Abend auf den jetzt überall durch den Regen grundlos gewordenen Wegen erreichten, ward uns eine überaus gastliche und freundliche Aufnahme zu Theil, wie denn überhaupt Gastfreundschaft die hervorragendste Tugend der Einwohner dieses Landes ist.

Die Hacienda enthält nebst einem ziemlich bedeutenden Viehstande eine Pflanzung von etwa 12,000 Cacaobäumen und eben so viel Kaffeebäumen; sehr große Strecken waren mit den für den Wirthschaftsbedarf nöthigen Mais und Bananen, hauptsächlich aber mit Indigo bebaut, dessen Fabrication mich am meisten interessirte. Bekanntlich ist der Indigo nur ein Oxyd des durch Gährung aus der Pflanze gezogenen und ursprünglich grünen Saftes. Die Pflanze wird zu diesem Zwecke kurz über der Wurzel abgeschnitten, in großen gemauerten Bassins dicht aufgespeichert und das Ganze unter Wasser gesetzt. Die darauf wirkende heiße Sonne färbt das mit dem Pflanzensafte geschwängerte Wasser bald grün, worauf es in andere, tiefer liegende Behälter abgelassen, dort durch fortwährendes Rühren und Peitschen mit der Atmosphäre in Contact gebracht wird und so allmälig erst jene schöne tiefblaue Farbe bekömmt. Das Umrühren wird anderwärts gewöhnlich durch einen Ochsengöpel oder durch Wasserkraft bewerkstelligt, hier aber durch eine Procedur, die einen wirklich höchst possirlichen Anblick gewährte, nämlich durch eine quer durch den Behälter gehende, mit kurzen Stangen gespickte Holzwelle, in welcher in der Mitte eine Art Schaukelbret angebracht ist, an dessen Enden zwei Männer sitzen, die durch abwechselndes Aufstehen und Niederkauern die ganze Maschine, nach Art der Nürnberger Sägemännchen, in Bewegung setzen. Man kann kaum etwas Komischeres sehen, als diese hockenden, schreienden, schwitzenden, oben kupferfarbigen und unten echt indigogefärbten Indianer.

Die ganze Plantage war in früherer spanischer Zeit, aus welcher überhaupt alle umfassenden Anlagen und bessern Einrichtungen herstammen, mit großer Umsicht angelegt; weit ausgedehnte gemauerte Kanäle brachten das Wasser nach allen Theilen der in geordneten Reihen stehenden Pflanzung. Fortwährende Revolutionen, deren ungefähr aller drei bis vier Jahre eine ist und durch welche jedesmal die Reichern durch Contributionen arg geschröpft werden, haben das Vermögen der Besitzer sehr heruntergebracht; die Kanäle sind verschlammt, die Indigofelder voller Unkraut, in traurigem, wüstem Zustande, der nur eben so weit bewältigt wird, um nicht Alles ganz einschlafen zu lassen.

Traurige Zustände, denen allein durch eine recht gesunde, kräftige Einwanderung abgeholfen werden könnte, wozu aber wiederum nur eben solche Leute tauglich wären, welche sich zuvor in den Vereinigten Staaten die Hörner ein wenig abgelaufen und dort erst gelernt hätten, wie man sich in fremdem Lande am besten organisirt und seine Kräfte anwenden muß, um die mehrsten Körner aus seinem Weizen zu dreschen. Solche aber, welche direct aus Deutschland herüberkommen und etwa meinen, es würden ihnen bei nur geringer Mühe die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, werden hier wahrlich schlechte Rechnung finden. Doch hierüber werde ich mir am Schlusse meiner Reiseberichte noch einige besondere Gesammtbemerkungen erlauben.

Einige landesübliche Galanterien sind hier doch solcher Art, daß der nicht eingewohnte Europäer sich dagegen bei Zeiten verwahren muß, wenn er nicht, wie ich, die üblen Folgen verschmecken will. Die jungen Damen vom Hause hatten die Artigkeit gehabt, mir zur Nacht eine mächtige Schale voll Jasmin unters Bett zu stellen. So gut gemeint dies auch war und vermuthlich eine landesübliche Sitte gegen Gäste, hatte es doch zur Folge, daß mein armer Kopf mir andern Tages noch viermal so dick und schwer, als gewöhnlich vorkam. Ich empfehle meinen Nachfolgern also nicht blos Vor-, sondern auch Untersicht beim Zubettgehen!

Aber nicht nur in Bezug auf Land und Leute, sondern auch an mir selbst habe ich Entdeckungen gemacht, die Euch in Erstaunen setzen werden. Wie Ihr wißt, hatte mein trefflicher Freund, Dr. Gescheidt in New-York, mich beim Antritte meiner Reise mit einem kleinen chirurgischen Besteck, Anleitung zum Aderlassen, sowie einigen allgemeinen medicinischen Regeln ausstaffirt. Schon während der Fahrt auf dem St. Juan-River hatte ich Gelegenheit gehabt, von ersterm verdienstliche Anwendung zu machen. Hier aber sollte ich in noch ganz andere Versuchung geführt werden.